trans*feindliche Gewalt: Wir kämpfen für Ella!

Ella ist eine trans* Frau aus dem Iran, die nach Deutschland geflohen ist, damit sie hier ihre geschlechtliche Identität ausleben kann. Aber auch in Deutschland wurde sie immer wieder mit Transfeindlichkeit und Rassismus konfrontiert. Am 14.09.2021 entzündete sie sich am Berlin Alexanderplatz selbst und starb einen Tag später im Krankenhaus.

Wer war Ella?

Ella ist eine trans* Frau, die, wegen ihres Transseins vom Iran nach Deutschland geflohen ist. Zuerst lebte sie in Magdeburg und ist später nach Berlin gezogen, weil diese Stadt sich offen gegenüber LGBTI+ inszeniert. Dank ihrer Sprachkenntnisse konnte sie mit Geflüchteten arbeiten und setzte auch hier einen Fokus auf LGBTI+ Arbeit. In Regenbogen Cafés organisierte sie ein Zusammenkommen für LGBTI+ Geflüchtete. Ihr Transsein hat sie politisch gemacht, ihr Leben hat sie kollektiviert, damit sie anderen in einer ähnlichen Lage mit ihrer Erfahrung beistehen kann. Ihre Freund:innen sagten bei einer Trauer Mahnwache, dass sie lebensfroh und lustig gewesen sei. Wenn Ella kam, dann hellte sich der Raum auf. Es gab für sie keine Anzeichen, dass Ella depressiv war. Für ihre Freund:innen und andere LGBTI+ Personen ist Ellas Selbstverbrennung politisch.

Was ist, fast zwei Monate nach ihrem Tod, passiert?

Eine Trauer Mahnwache wurde in ihrem Gedenken am Alexanderplatz gehalten, bei der Bekannte, Freund:innen und Betroffene selbst reden konnten. Kurz nach ihrem Tod wurden von dem Krankenhauspersonal Bilder von ihr gemacht und im Internet verbreitet, um sich über sie lustig zu machen. Vor dem Krankenhaus in Berlin aus dem die Bilder stammen, wurde von ZORA eine Kundgebung gehalten, die Ellas Selbstverbrennung politisch einordnet und das Personal anprangert. Denn über die Fotos gibt es keine großen Medienberichte und von Folgen für das Krankenhauspersonal ist noch nichts bekannt.

Von den Medien kamen teilweise transfeindliche Berichterstattung, andere wiederholen einfach nur den Polizeibericht, die neueste Berichterstattung über Ella liegt bisher einen Monat zurück. Ihr Trauernachlass wird noch nicht freigegeben. Dieser soll erst zu Ellas Familie in den Iran geschickt werden. Die Polizei geht nicht von einem politischen Motiv aus und sieht die Gründe, für ihre Selbstentzündung im „persönlichen“ Leben.

Politische Selbstverbrennung

Die Bullen sind immer schnell damit zu sagen, dass es für Taten keine politische Motivation gab, nur sind wir es normalerweise gewohnt, dass sie damit Faschisten in Schutz nehmen wollen. Hier wollen sie Ellas Tod eine politische Schlagkraft nehmen.

Die Selbstverbrennung als politischer Protest reicht zurück ins Vietnam der 1960er Jahre. Ein Mönch protestierte 1963 gegen die Unterdrückung von Buddhisten in Südvietnam unter der Herrschaft des Nationalistischen Präsidenten Ngô Đình Diệm und verbrannte sich selbst. Seitdem finden immer wieder Selbstverbrennungen aus politischem Protest statt.

Die bekanntesten Fälle der politischen Selbstverbrennung in Deutschland sind von migrantischen Frauen begangen worden. Semra Ertan, eine Tochter von türkischen Gastarbeitern und Schriftstellerin stellte ihre Forderungen bei einem Anruf an den NDR und ZDF und verbrannte sich am 26.05.1982. Ihr Motiv war der steigende Rassismus gegen Gastarbeiter:innen und Migrant:innen. Ihr Tod schlug in Protestwellen in Hamburg um: Kurz nach ihrem Tod protestierten 5.000 Menschen auf einer antirassistischen Demo.

Auch aus der kurdischen Bewegung finden sich viele Beispiele von Selbstverbrennungen: Nilgün Yildirim („Berîvan“) und Bedriye Tas („Ronahî“) die in Solidarität mit der kurdischen Bewegung 1994 diese krasse Form des Protests wählten.

Und das sind noch längst nicht alle Fälle. Wenn man Informationen über politische Selbstverbrennung sucht, findet man viele mehr.

Ellas Erbe

Eine so krasse Entscheidung wird nicht leichtfertig getroffen. Bei einem Menschen wie Ella, die schon so viel erlebt und überlebt hat, von ihrer Flucht aus dem Iran in ein neues Leben, mit dem sie sich identifizieren kann, in der Hoffnung glücklich zu werden, sich hier ein Leben aufzubauen und Menschen helfen zu wollen, scheint es sehr abwegig, dass ihre Selbstverbrennung nur persönliche Gründe hatte. Als Geflüchtetenhelferin in Regenbogencafés, als Geflüchtete selbst, als trans* Frau hat sie so viel gehabt, was sie zu einem politischen Menschen macht. Ihr das abzusprechen, nicht politisch darauf zu reagieren, sie zu ignorieren macht ihren Protestakt nur zum Mord an ihr, weil sie dann umsonst gestorben wäre. Sie hat ihre Situation und die von anderen trans* Personen wahrgenommen und wollte etwas dagegen tun. Ella hinterlässt uns damit ganz viel. Sie zeigt uns, dass LGBTI+ Personen widerständig sind, militant sind und bereit sind für einen Kampf um unsere Befreiung. Mit ihrem Protest hat sie das Potential Kämpfe entstehen zu lassen und die Gesellschaft zu bewegen, wir müssen uns nur von ihr bewegen lassen.

Und wenn sich nichts bewegt, dürfen wir sie nicht ein zweites Mal sterben lassen: Wir müssen ihren Kampf weiter auf die Straße tragen, wir dürfen nicht zulassen, dass in Zeiten in denen LGBTI+-feindliche Gewalt zunimmt und der Staat nichts unternimmt, revolutionäre linke Organisationen nur unbeteiligt zuschauen. Sorgen wir dafür, dass ihr Name und ihr Widerstand nicht vergessen werden. Am 20. November (Trans Day of Remembrance) und dem 25. November (Tag gegen Gewalt an Frauen) erklingt Ellas Name von allen Dächern, aus jeder Ecke, an jeder Straße. Beteiligt euch an diesen beiden Tagen an Aktionen auf der Straße, lasst uns unsere Trauer in Wut umwandeln und sie in die LGBTI+ Widerstandsgeschichte eingehen lassen, und sie nicht Schnee von gestern werden lassen. Tot ist sie erst, wenn man sie vergisst.

Auf zu unseren Kampftagen, auf zum Trans Day of Remembrance, auf zum Tag gegen Gewalt an Frauen. Wir akzeptieren unsere Unterdrückung nicht länger, kämpfen wir gemeinsam gegen die Fesseln des Patriarchats!

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