Alltägliche Gewalt

„Aber das ist doch nur ein Kompliment.“ „Ja, wenn du dich so anziehst, brauchst du dich halt nicht wundern, wenn du so behandelt wirst.“ „Nimm doch nicht alles so ernst.“

Was gerade aufgezählt wurde, sind typische Reaktionen, wenn man auf patriarchales Verhalten auf der Straße, zu Hause, im Freundeskreis oder sonst wo aufmerksam macht. Es sind Reaktionen von Menschen, die sich nicht bewusst sind, was ihre Aussagen auslösen. Es sind Reaktionen auf Verhaltensweisen, welche Frauen, Nichtbinäre, Inter- und Transpersonen jeden Tag erleben müssen.

Es ist alltägliche Gewalt. Doch was ist alltägliche Gewalt überhaupt? Alltägliche Gewalt ist, wie es schon im Wort steckt, Gewalt, welche wir im Alltag erleben. Das heißt, dass wir sie in den Schulen, in die wir gehen, erleben, auf den Straßen, auf denen wir täglich nach Hause laufen, oder auch zu Hause, ein Ort, an dem wir uns doch sicher fühlen sollten. Sie kann dabei ganz verschiedene Formen annehmen; sei es verbale, psychische oder physische Gewalt. Doch warum erleben wir diese Gewalt? Was ist der Auslöser und wie können wir eine Welt schaffen, in der Gewalt dieser Art keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft oder gar in unseren eigenen vier Wänden hat?

Stellen wir uns folgende Situation vor: Man läuft eine Straße entlang und es befindet sich eine Gruppe von Männern auf dieser Straße. Sie warten bis eine weiblich gelesene Person vorbeiläuft und nutzen dann den Moment, um ihre Stimme zu erheben und die vorbeilaufende Person zu sexualisieren, zu reduzieren, zu einem Gefühl der Demut zu zwingen und allgemein in eine Situation zu versetzen, die nichts anderes als ein Produkt des Patriarchats widerspiegelt.

Nach einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erleben 44 Prozent der Frauen in Deutschland Situationen, in denen sie sexistischer Gewalt in Form von Catcalling ausgesetzt sind. Das ist auch ein Beispiel für alltägliche Gewalt. Warum genau ist dies ein Produkt des Patriarchats?

Das Patriarchat, also eine Gesellschaftsordnung, die Kapital und Mann dient und in welchem ganz klar das männliche Geschlecht Vorteile hat und Frauen und intergeschlechtliche Menschen, sowie alle weiteren Geschlechtsidentitäten, die nicht cis-normativ sind (cis: Identifizierung mit dem geborenen biologischen Geschlecht), dazu zählen z.B. nicht-binäre, trans und ageschlechtliche Menschen, die ganz eindeutig keine Vorteile im Patriarchat haben. Diese Nachteile, die Frauen, Nichtbinäre, Inter- und Transpersonen im Alltag spüren, sind alles alltägliche Gewalt.

Das Fazit daraus ist nicht, dass Männer unsere Feinde sind, sondern, dass das Patriarchat und damit einhergehend auch der Kapitalismus unsere Feinde sind. Und deshalb ist eine Selbstorganisierung von all jenen, die unter der Herrschaft des Patriarchats leiden, wie bei Zora, immens wichtig.

Denn wir müssen Räume schaffen, in denen über Catcalling gesprochen wird, in denen über alltägliche Gewalt gesprochen wird. Wir müssen Räume schaffen, in denen wir einen gemeinsamen Widerstand schaffen.

Und genau deshalb müssen wir unseren Widerstand in allen Bereichen unseres Lebens gegen Patriarchat und Kapitalismus wenden. Denn von diesen Räumen werden wir unsere Kämpfe auf die Straße tragen und sie genau dort unserem Feind, dem Patriarchat, entgegenstellen.

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