Von Mona bis Aynur – Gerechtigkeit für unsere Schwestern!

Vor einigen Wochen wurde die 17-jährige Mona Heidari von ihrem zwangsweise angeheirateten Ehemann im Iran enthauptet. Nachdem der Täter die grausame Tat vollbracht hat, lief er stolz mit der Tatwaffe und dem Kopf der ermordeten Frau durch die Straßen. Dadurch habe er seine „Ehre“ wiederhergestellt, nachdem Mona der gewaltvollen Ehe entflohen war. Diese Art von Delikten, Femizide, stellen das letzte Glied in einer langen Kette staatlicher und struktureller Gewalt an Frauen dar. Denn die patriarchale Gesellschaftsordnung, in der wir leben, gibt Männern das Recht, uns wie ihr Eigentum zu behandeln. Für sie sind wir nichts als Ware, die sie nach ihren eigenen Bedürfnissen so behandeln können, wie sie wollen. Femizide, wie die Ermordung Monas, sind der schärfste Ausdruck dieser patriarchalen Gewalt.

Wie nicht anders zu erwarten war, ist für die iranische Regierung Gerechtigkeit für Mona eine nebensächliche Angelegenheit. Zwar gibt es für Mord im Iran die Todesstrafe, aber für einen sogenannten „Ehrenmord“ gilt das nicht – Es war schließlich „nur“ eine Frau, die ihr Leben verloren hat. Tötungen von Frauen im Namen der Ehre sind keine Seltenheit, insbesondere im Nahen und Mittleren Osten, aber auch in anderen Teilen der Welt. Ehrenmorde gibt es, seit es patriarchalisch strukturierte Klassengesellschaften gibt. Oft kommen sie heutzutage in fundamentalistisch islamischen Familien vor. Dabei bringt ein weibliches Familienmitglied „Schande“ über die Familienehre. Es reicht schon aus, wenn sie ein Leben nach ihren eigenen Wünschen führt, was im Konflikt zu den Plänen der Familie für sie steht. Ein männlicher Verwandter hat daraufhin das Recht und die Pflicht, sie umzubringen und stellt somit die Ehre wieder her.

Doch anders als die westliche, rassistische Darstellung von jenen Ehrenmorden wissen wir, dass Morde an Frauen keine einzigartige Erscheinung sind, die nur in vermeintlich „unzivilisierten“ Kulturen vorkommen. Jeden Tag versucht ein Ehemann in Deutschland, seine Frau umzubringen, jeden dritten gelingt es einem. Trotzdem werden Ehrenmorde in den westlichen Medien von allen Seiten beleuchtet und von Morden, die von deutschen Tätern aus begangen werden, wird von „Familientragödien“ oder „Liebesdelikte“ gesprochen. Ob „Ehrenmord“ oder „Liebesdrama“ – Es handelt sich um dasselbe Phänomen: Um Femizide. Femizide sind kein kulturelles Problem, sondern ein Auswuchs der patriarchalen Gesellschaft. Das Patriarchat kennt keine Herkunft. Es bestimmt unser aller Leben und versucht uns Frauen in die Knie zwingen, egal wo, egal wann.

Die Männer morden, weil sie wissen, dass sie meist ungestraft davonkommen, denn sie haben die Justiz, die Gesetze, ja alle bürgerlichen Institutionen hinter sich. Dies merkt man nicht nur am Fall Mona und an der iranischen, frauenverachtenden Regierung, sondern auch in westlichen Ländern wie hier bei uns in Deutschland. Uns Frauen wird nicht geglaubt, wenn wir geschlagen und vergewaltigt werden. Bei etwa 30% der Femizide in Deutschland hat die Frau ihren Peiniger vor der Tat schon zur Anzeige gebracht, dennoch wird nicht eingegriffen. Und falls es dann Strafen für Täter geben sollte, sind diese in einem lächerlich geringen Maß im Vergleich zu ihren Taten. Dies hat man nicht zuletzt beim Fall Aynur Sürücü gesehen, deren 17. Jahrestag der Ermordung in derselben Woche wie der Mord an Mona stattfand. Aynur wurde von ihrem Bruder in Berlin auf offener Straße erschossen, weil sie sich dem Willen ihrer Familie widersetzte und ein selbstbestimmtes Leben führte. Der Täter hat lediglich eine Jugendstrafe von einigen Jahren bekommen und all die anderen Familienmitglieder sind ungestraft davongekommen, obwohl klar war, dass sie in der Planung des Femizids beteiligt waren.

Mona und Aynur, beiden wurde das Leben genommen, aufgrund der Tatsache, dass sie Frauen waren. Unsere Gedanken sind bei ihnen und bei allen anderen Frauen, die dem patriarchalen System zum Opfer gefallen und deren Leben durch unsere unmittelbaren Unterdrücker, den Männern, brutal beendet worden sind. Mit all den wunderbaren Erinnerungen von unseren ermordeten und gefallenen Schwestern im Herzen werden wir vereint für eine Welt ohne Unterdrückung und Ausbeutung kämpfen. Mögen ihre Sehnsüchte nach einem freien Leben ohne Zwang und Unterwerfung uns alle befreien.

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