Sichtbare Existenzen – spürbarer Widerstand! Heraus zum Trans Day of Visibility!

Am 31. März ist der Tag der trans Sichtbarkeit. Eingeführt wurde er 2009 von Rachel Crandall Crocker, einer Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin und Aktivistin bei der Beratungs- und Aufklärungsstelle Transgender Michigan. Was war Rachels Ziel? Es gibt im November den Trans Day of Remembrance. An ihm wird denen gedacht, die durch transfeindliche Hassverbrechen ermordet wurden. Daneben wollte Rachel einen Tag schaffen, der in erster Linie zum Feiern und Stärken des eigenen Lebens von trans Personen da ist.

Und es stimmt, seit 2009 hat sich einiges bewegt: trans Personen haben sich mehr Präsenz in der Gesellschaft erkämpft – in Kunst und Kultur, in den Medien, in der Bildung, in Institutionen, Parlamenten oder Parteien. Diese Errungenschaften gilt es zu verteidigen – denn mit ihnen rücken auch die Fratzen von jenen mehr ins Blickfeld, die Hass, Ignoranz und Gewalt gegen trans, intersex und nichtbinäre Personen verbreiten!

„Sichtbar sein” entscheidet also noch nicht das Wie, den Inhalt der Sichtbarkeit von Transgender. Als Revolutionär:innen lassen wir uns weder etwas von den bürgerlichen, faschistischen Erzählungen vormachen, die trans, inter und nichtbinäre Genoss:innen als „kranken Abschaum“ diffamieren. Noch lassen wir uns von liberalen Forderungen um den Finger wickeln, die bloß auf die „Integration“ von Transgender aus sind in die bestehenden Fesseln des Kapitalismus!

Trans Befreiung haben wir erst erreicht, wenn alle Unterdrückten dieser Erde gemeinsam frei sind – Homo- und Bisexuelle, Arbeiter:innen, Migrant:innen, kolonialisierte Völker, Jugendliche, Frauen und behinderte Menschen. Wie viel Bedeutung haben die Versprechen von trans Abgeordneten für die Abschaffung vom Transsexuellengesetz, wenn sie gleichzeitig mit ihrer Partei nach Aufrüstung, imperialistischer Kriegspolitik und Waffenlieferungen schreien? Wenn 100 Milliarden Euro in die Bundeswehr fließen können, aber Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereiche seit drei Jahren Pandemie leer ausgehen, trans Beratungsstellen, LGBTI+ Jugendzentren schließen müssen und Geschlechtsangleichungen als vermeintlich „nicht lebensnotwendig“ verschoben und abgesagt werden? Wir stehen solidarisch mit all den trans Personen, die gerade in Russland bei Anti-Kriegs-Protesten verhaftet werden, oder in der Ukraine aufgrund des Ausreiseverbots für Männer und dem patriarchalen Geschlechterbild von „Mann = Soldat“ nicht fliehen dürfen!

Der Kampf für die Befreiung von werktätigen trans, inter und nichtbinären Menschen ist international! Und so richten wir unseren Blick am Trans Day of Visibility zu all jenen, die für eine geschlechterbefreite Gesellschaft jenseits von Klassen und Profiten aufstehen.

Sei es in Argentinien, wo seit März letzten Jahres die Kampagne „¿Dónde está Tehuel?“ (Wo ist Tehuel?) die lückenlose Aufklärung über das Verschwinden lassen vom trans Jugendlichen Tehuel fordert und sich dabei mit Arbeitsforderungen verbindet gegen die Verschuldung Argentiniens vor dem Internationalen Währungsfond. Denn gerade weibliche und LGBTI+ Arbeiter:innen trifft die sich dadurch verstärkende Krise am schnellsten!

Oder in der Türkei, wo LGBTI+ Aktivist:innen, wie Havîn und Ezgi Aydan von der Organisation Kızıl Okyanus (Roter Ozean) in vorderster Reihe bei den Studierendenprotesten an der Boğaziçi-Universität standen gegen die Einsetzung eines neuen AKP-nahen Unidirektors durch das faschistische türkische Regime, und dafür Repressionen und Folter erleben mussten. „Alışın, buradayız! Bir arada, buradayız!“ (Gewöhnt Euch daran, dass wir da sind! Zusammen sind wir hier!)

So sei der Tag der trans Sichtbarkeit ein Tag, an dem ins Auge sticht: keine trans Befreiung ohne Klassenkampf! Stellen wir uns in die Tradition von Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera und rufen „Stonewall was a riot! We will not be quiet!“

Beteilige dich an den Aktionen in deiner Stadt!

Duisburg: Kundgebung, 31.03., 16:30 Uhr, König-Heinrich-Platz Forum

Hamburg: Demonstration, 31.03., 17 Uhr, Hans Albers Platz

Köln: Filmabend, 3. April, 16 Uhr, Multi-Kulti e.V. Kalk-Mülheimer-Str. 124

Frankfurt: Kundgebung, 31.03., 14:30 Uhr, Ni-una-menos-Platz / Liebfrauenberg

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