#LesbianDayOfVisibility – Sichtbare Existenzen, spürbarer Widerstand!

Heute, am 26.04., nutzen wir den Tag der lesbischen Sichtbarkeit, um die Kämpfe lesbischer, bi- und pansexueller Frauen in den Mittelpunkt unserer Arbeit und Aufmerksamkeit zu rücken. Denn lesbische, bi- und pansexuelle Frauen können auch heute noch kein freies und selbstbestimmtes Leben führen. Beleidigungen, Mobbing, Drohungen und Diskriminierung am Arbeitsplatz oder bei der Wohnungssuche sind genauso alltäglich, wie sexualisierte oder andere körperliche Gewalt. Das Outing, also das Bekanntmachen der eigenen sexuellen Orientierung, ist immer noch häufig von Angst und Zurückweisung bestimmt. Und auch so ist die Notwendigkeit eines „Outings“ schon Zeichen genug dafür, dass alles, was nicht der Hetero-Norm entspricht, als abweichend gilt.

Werktätige Frauen, die auch LGBTI+ sind, spüren die Last von Patriarchat und Kapitalismus oft besonders schwer auf ihren Schultern. In der Arbeitswelt sind sie mit ihrer Sexualität oft unsichtbar, weil sie sonst um den Job fürchten müssen. Während die Inflation in der gesamten Arbeitswelt für Probleme sorgt, sind wir Frauen davon besonders getroffen. Die Löhne sind niedriger, die Anstellungsverhältnisse sind unsicherer. Das alles ganz abgesehen davon, dass die in der Krise an den schlechtesten gestellten Berufen, die Pflege, die Bildung, die Kinderbetreuung, zu einem wesentlichen Teil von Frauen ausgeführt werden. Zusätzlich sind 23 % aller Pflegekräfte LGBTI+ (plus einer sicher hohen Dunkelziffer). Lesbische Frauen sind von der Sparpolitik und den niedrigen Löhnen also besonders hart getroffen. Studien in den USA und Großbritannien zeigen auch, dass LGBTI+ Überdruckschnittlich von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Für unsere Befreiung als lesbische Frauen einzustehen, bedeutet also auch zu fordern: automatische Anpassung von unseren Löhnen an die Miet- und Preisentwicklung und ein Sofortiger Stopp von Strom-, Gas- und Wassersperrungen sowie Zwangsräumungen!

Deshalb muss es am Tag der lesbischen Sichtbarkeit um mehr gehen, als um das Gesehen-Werden: Nicht „mehr“ lesbische Soldatinnen, die uns von Bundeswehr-Plakaten entgegen lachen und uns fürs Militär rekrutieren wollen. Nicht „mehr“ bisexuelle Frauen an der Spitze von großen Konzernen, die durch die Ausbeutung von Arbeiter:innen ihren Reichtum anhäufen können. 

Es muss darum gehen, Widerstand gegen die Unterdrückung von Frauen und LGBTI+ zu organisieren und auf die Straßen zu tragen.

Dafür haben wir einen ersten Schritt unternommen und in Duisburg gemeinsam mit dem Dyke March Ruhr und Young Struggle den ersten Duisburger Dyke-March organisiert!„Dyke – dieses Wort wurde ursprünglich als englisches Schimpfwort für Frauen und/oder Lesben mit männlichem Erscheinungsbild verwendet. Dass wir es heute voller Stolz mit auf die Straße tragen, ist ein Zeichen dafür, dass unsere lesbischen Geschwister vor uns erfolgreiche Kämpfe geführt haben für die Befreiung von Frauen und LGBTI+! Du bist herzlich eingeladen, weiterzulesen, um ein paar dieser Vorkämpfer:innen kennenzulernen.

Rund 30 Frauen, inter, nicht-binäre und trans Personen zogen also am Samstag unter dem Motto „Sichtbare Existenzen – spürbarer Widerstand!“ laut durch die Stadt. Auf der Auftakt- und Abschlusskundgebung lauschten auch viele Passant:innen den Redebeiträgen, die die andauernde Unterdrückung von lesbischen, bi- und pansexuellen Frauen thematisierten, ihren Widerstand hervorhoben und die leeren Versprechen der bürgerlichen Parteien anprangerten. Wir grüßten auch die parallel stattfindende Demonstration in Düsseldorf gegen die Angriffe der Türkei auf Kurdistan und die Klima-Demo in Lützerath für das Ende des Braunkohleabbaus und den Erhalt der bedrohten Dörfer!

Mit Blick auf die immer weitergehenden Teuerungen, den Krieg und die damit verbundene Aufrüstung sowie die Politik der Ampel-Regierung, die in erster Linie den Reichen nützt, ist Widerstand von unten aktuell besonders wichtig. Dabei haben wir auch als lesbische, bi- oder pansexuelle Frauen zahlreiche revolutionäre Vorbilder, aus deren Kämpfen wir lernen können.

Da ist zum Beispiel Ivana Hoffmann, eine junge, Schwarze, lesbische Frau aus Duisburg, die schon in jungen Jahren politisch aktiv wurde, und sich mit 18 Jahren dazu entschloss, die demokratische Revolution und Frauenrevolution in Rojava (Westkurdistan, Nordsyrien) mit den eigenen Händen vor den Angriffen des türkischen Staats und des sog. IS zu verteidigen. 2015 wurde sie bei der erfolgreichen Verteidigung des Dorfes Til Temir unsterblich. Wir sagen, Ivana ist unsterblich, weil sie zwar physisch nicht mehr bei uns ist, aber doch in unserem Kampf weiterlebt!

Da sind die beiden lesbischen Revolutionärinnen aus Irland Kathleen Lynn und Madeleine ffrench-Mullen, die sich für die Rechte von Frauen und Arbeiter:innen sowie die Unabhängigkeit Irlands vor Großbritannien einsetzten und beim Osteraufstand von 1916 die medizinische Versorgung organisiert und geleitet haben.

Da sind viele weitere Revolutionärinnen wie Leslie Feinberg, trans Person, lesbisch und Kommunist:in aus den USA; 

Angela Davis, ebenfalls eine lesbische Kommunistin, ehemaliges Mitglied der Black Panther Party und zeitweise wegen ihrer politischen Aktivität auf der Liste der 10 meistgesuchten Personen des FBI; 

Audre Lorde, Autorin, Dichterin und Aktivistin, die vor allem für Frauenbefreiung und gegen Rassismus gekämpft hat; 

Oder Sarah Hegazi, die als Kommunistin in Ägypten die Partei „Bread and Freedom“ gründete, die sich für Menschrechte einsetzt, und die 2017 für ihren Aktivismus und ihr Lesbischsein verhaftet, gefoltert und misshandelt wurde, was sie am Ende in den Suizid trieb. 

Viele weitere Frauen könnten in diese Liste aufgenommen werden! Und von noch vielen mehr kennen wir den Namen und die Geschichte nicht.

Es gibt also viele Vorkämpfer:innen, von denen wir lernen und deren Kämpfe wir fortführen können. Genau wie ihr Kampf, muss sich auch unser Kampf gegen die Wurzel unserer Unterdrückung, das heißt gegen Patriarchat und Kapitalismus richten. Es gilt: Keine LGBTI+ Befreiung, keine Frauenbefreiung ohne Klassenkampf! Das zeigt sich besonders in Zeiten der Wirtschaftskrise. 

Gehen wir deshalb nicht nur an Tagen wie dem Tag der lesbischen Sichtbarkeit gemeinsam und laut auf die Straße, sondern auch an den Kampftagen unserer Klasse! Schließt Euch also auch den Demonstrationen in Euren Städten zum 1. Mai an, um für eine befreite Welt abseits von Kapitalismus und Patriarchat zu kämpfen!

Berlin

1. Mai​​10 Uhr, Alexanderplatz. Klassenkämpferischer Block

​​16:30 Uhr, Hertzbergplatz. Revolutionäre 1. Mai-Demo

Duisburg

30. April​18:30 Uhr, Ludgeriplatz. Revolutionärer Vorabend-Demo

Frankfurt

1. Mai​​10:30 Uhr, Hauptwache. Antikapitalistischer Block

​​18 Uhr, Willy-Brandt-Platz. Revolutionäre 1. Mai-Demo

Hamburg

1. Mai​​11 Uhr, Heußweg. Antikapitalistischer Block

​​16 Uhr, Berliner Tor. Revolutionäre 1. Mai-Demo

Köln

1. Mai​​12 Uhr, Hans-Böckler-Platz. Revolutionärer Block

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