Der Kampf gegen die Nakba ist der Kampf der palästinensischen Frau!

„Die Avantgarde unseres Volkes hat auch die Frau vor die Aufgabe gestellt, dies auch mit in die Hand zu nehmen. Auch ihr wurde die Frage gestellt: Wie können wir uns befreien?“ Leila Khaled, palästinensische Revolutionärin (PFLP)

Seit den ersten Protesten, bewaffneten Aufständen, Revolutionen, haben sich die palästinensischen Frauen der Aufgabe angenommen, diese Frage zu beantworten. Wie schon die Revolutionärin Leila Khaled erkannte, wird die palästinensische Frau nicht nur gesellschaftlich durch den Mann unterdrückt (egal ob durch ihren eigenen oder einen fremden) und aufgrund ihrer Klasse ausgebeutet (egal ob von der eigenen Bourgeosie oder einer fremden), sondern auch als Teil des palästinensischen Volkes vom israelischen Besatzungsstaat vertrieben, eingesperrt und ermordet. Sie ist also gezwungen,ihren Platz im Kampf für die Befreiung Palästinas einzunehmen. 

Die Frauen spüren in vielen Bereichen die Besatzung und Vertreibung am stärksten. Sie waren diejenigen, die als letzte gegessen haben auf der Flucht, als die israelische Armee sie, während der Nakba 1948, aus ihren Dörfern vertrieb. Sie haben ihnen alles genommen und die Frauen mussten das bisschen Weizen und Schmuck was sie einstecken konnten unter ihren Röcken verstecken. Sie haben die Kinder an den Fluchtrouten gesehen, deren Eltern ermordet wurden, oder sie verloren haben in den Massen, die unter Patronenhagel in die Wüste getrieben wurden. Sie haben zugesehen, als die Soldaten die Männer des Dorfes versammelten, aufgestellt und erschossen haben. Wie in Safsaf, wo die zionistische Armee 70 Männer fesselten und erschossen, nachdem sie eine weiße Fahne gehisst hatten und daraufhin mehrere Frauen vergewaltigten. Viele weitere Orte wie Saliha, Eilaboun und hundert weitere namenlose Dörfer sind Beispiele für die schrecklichen Verbrechen der zionistischen Armee. Damals gab es kaum eine Armee, eine Bewegung oder eine Organisation, der die Frauen sich hätten anschließen können, um sich zu verteidigen. 

Yosef Nachmani, ein Offizier der Haganah, der zionistischen Soldaten, die diese Verbrechen begangen haben, schrieb daraufhin:  „Woher kommt dieseMaß der Grausamkeit (der Haganah- Soldaten), wie Nazis? …  Gibt es keinen menschlicheren Wegdie Einwohner (der palästinensischen Dörfer) zu vertreiben?“

Nein, denn die Unmenschlichkeit der zionistischen Bestrebung zeigte sich schon in dem ersten Massaker der ersten Siedlung, die auf den Olivenhainen gebaut wurden, der ersten Siedlerfamilie, die in der Küche einer palästinensischen Frau ihr Abendessen zubereitet hat. 

Heute können die meisten Palästinenser:innen, wenn überhaupt,nur noch als Arbeiter:innen in ihre ehemaligen Dörfer zurückkehren. Doch die palästinensische Frau lebt nicht nur in Palästina, sondern auch außerhalb in den Flüchtlingslagern im Libanon und Syrien, in Jordanien und auch in Europa nimmt sie Teil am gesellschaftlichem Leben und Kampf. Die Bedingungen zu ihrer Befreiung unterscheiden sich je nach dem wo und wie sie lebt. In den Jahren hat sich gezeigt, dass die palästinensischen Frauen aktuell zwei große Aufgaben haben: Einerseits den Kampf gegen die alltägliche Besatzung, die Vertreibung, das internationale Schweigen und die Ermordung zu führen und andererseits ihre eigenen Positionen und Stellungen im Befreiungskampf verteidigen und erkämpfen zu müssen. 

In Zeiten des Aufstandes und der gesellschaftlichen Bewegung, war die Frau immer Teil dieser, und teilweise sogar eine Anführer:in der Kämpfe. Allein, wenn wir an die letzte Zeit denken, fällt uns das Gesicht von Shirin Abu Akleh ein, die letzte Woche ermordet wurde, während sie über die Razzien der zionistischen Armee im Flüchtlingslager Jenin berichtete. Hunderte junge Frauen beteiligen sich an der Beerdigung und den Protesten, die wegen des Mordes aktuell stattfinden. 

Einer der Höhepunkte der Beteiligung der Frauen im Befreiungskampf war 1987 während der ersten Intifada. Es gab eigene Protestaktionen von Frauen, viele waren im Gefängnis und besonders als der Großteil der Männer im Gefängnis waren, die vorher die politische Widerstandsbewegung dominiert hatten, übernahmen Frauen Volkskomitees und organisierten die Gesellschaft. Sie positionierten sich als Teil des Volkes und seiner Massenbewegungen. So erreichten sie viele Erfolge. Nicht nur für Palästina, sondern auch für die Frauen. Nicht nur in den Massen nahmen die Frauen eine Position an. Auch schon früher und im bewaffneten Kampf waren sie Beteiligte. Einer der bekanntesten Revolutionär:innen Palästinas ist Leila Khaled. Sie beteiligte sich an militärischen Aktionen, in der Frauenunion und an allen anderen möglichen Bereichen des Kampfes.

Zu dieser Zeit war nach wie vor sexualisierte Gewalt und Folter eine Methode der zionistischen Besatzer. Sie sollte vor allem für einen Rückzug der Frauen sorgen, was auch teilweise gelang. In Zeiten der Niederlage, wo die Last der Besatzung besonders erdrückend war, waren häufig Frauen die ersten, die sich von der Straße zurückdrängen ließen. Aber auch eine Veränderung derpolitischen Widerstandsbewegung, das Erstarken islamistischer Gruppen und die Schwächung sozialistischer und fortschrittlicher Kräfte, die die Gleichberechtigung der Frau mit ihrem Programm vertraten, führten dazu, dass in der zweiten Intifada, die Anteilnahme der Frauen deutlich geringer war. In ihr nahm der militärische Kampf gegen die Besatzung einen deutlichen größeren Teil des Widerstandes ein und in ihm waren Frauen zu dieser Zeit, aber auch allgemein, nur sehr schwach vertreten. VonMännern und bestimmten Organisationen wurde auch aktiv verhindert, dass Frauen sich in diesem Teil des Kampfes beteiligen.

Doch auch zu dieser Zeit blieben erprobte Methoden der Frauen weiter bestehen. So stellten sich z.B. Frauen zwischen Soldaten und Jugendliche, um ihnen die Flucht zu ermöglichen, beteiligten sich an Demonstrationen und als Krankenpfleger:innen kümmerten sie sich um die Verletzten.

Seit dem Krieg auf Gaza 2015 steht eine neue Generation auf den Straßen der Welt. Junge Frauen wie Ahed Tamimi, stellten sich furchtlos der Besatzung gegenüber. Die Bewegung der Stundent:innen und der politischen Gefangen bestärkt sich. Während den sogenannten Rückkehrmärschen 2018 beteiligten sich Frauen in Gaza an vorderster Front. Auch dort waren sie das Schutzschild militanter Jugendlicher, selbst Steinewerfer:innen und bewiesen den Willen palästinensischer Frauen, für ihre Befreiung einzustehen. Das bemerkt auch die israelische Besatzung: Im Rahmen der Proteste postete ein Sprecher der israelischen Armee, Avichay Adraee, auf arabisch: “ die Schönheit einer Frau ist ihre Femininität und ihre Waffe ist ihr Gehirn. Also wo sind diese Dinge in der Persönlichkeit von Vandalen?“(übersetzt) und hält damit die palästinensischen Frauen dazu an, zuhause zu bleiben, denn die Besatzung profitiert davon, wenn die Frauen sich nicht wehren. Sie profitiert von der reaktionären Haltung der Männer, die die Frauen davon abhalten wollen, ihren Anteil am Befreiungskampf zu nehmen.

Wir haben am Anfang schon festgestellt: Es kann keine Befreiung der palästinensischen Frau ohne die vollständige Befreiung Palästinas geben, aber die Befreiung der Frau ist damit nicht abgeschlossen, denn nach wie vor wird sie kapitalistisch und patriarchal unterdrückt und ausgebeutet. Wir sehen an anderen Nationalbefreiungsrevolutionen wie in Algerien, dass wenn bürgerliche Kräfte, diese Revolutionen anführen, die Befreiung der Frau ausbleibt. Es braucht eigene Frauenstrukturen, die bereitsind, bis zur vollständigen Befreiung zu kämpfen, um den Nationalbefreiungskampf zu einem Befreiungskampf der Klassen und Geschlechter zu entwickeln.

Die vollständige Befreiung der palästinensischen Frau kann es nur dann geben. Wir, als internationalistische Organisation junger Frauen, wollen sie darin unterstützen und uns gemeinsam gegen den Imperialismus und Kolonialismus organisieren. Deshalb schreiben auch wir uns die Befreiung Palästinas vom Fluss bis zum Meer auf die Fahne. Wir wollen, dass Frauen und Unterdrückte überall auf der Welt in Frieden und Freiheit leben können und dazu sind wir bereit, den Kampf aufzunehmen. 

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