14. Juni Tag der Frauenstreiks in der Schweiz

Es war der 14. Juni 1991. Eine lila Welle rollte durch die Straßen der größten Städte der Schweiz. Hunderttausende Frauen beteiligten sich aus der ganzen Schweiz und aus allen politischen Parteien an Protest- und Streikaktionen für ihre Rechte.

Die Idee zum Frauenstreik stammte von einigen Uhren Arbeiterinnen im Vallée de Joux, die sich über die nach wie vor ungleichen Löhne in ihrer Branche empörten. Mit Christiane Brunner fanden die lokalen SMUV-Gewerkschafterinnen eine einflussreiche Verbündete, die sowohl in der Frauenbewegung als auch in den Gewerkschaften gut verankert war. Im Oktober 1990 beschloss der SGB-Kongress (Schweizerischen Gewerkschaftsbund) auf Antrag der SMUV-Frauen (Schweizerische Metall- und Uhrenarbeiter Verband) die Durchführung eines landesweiten Frauen Streiks am zehnten Jahrestag der Annahme des Gleichstellungsartikels.

Doch warum wurde in der Schweiz zu einem Frauenstreik aufgerufen?

Im Jahre 1975 wurde in der Schweiz eine eidgenössische Volksinitiative «Gleiche Rechte für Mann und Frau» lanciert, die dann im Dezember 1976 eingereicht wurde und unter anderem gleiche Rechte und Pflichten in der Familie sowie gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit forderte. Die eidgenössischen Räte empfahlen 1980 die Initiative zur Ablehnung, stellten ihr aber einen Gegenvorschlag gegenüber, der die Forderungen der Initiative in abgeschwächter Form aufnahm und etwa einen einklagbaren Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit vorsah. Im Unterschied zur Initiative verzichtete er aber auf eine Übergangsfrist von fünf Jahren bis zur Umsetzung dieser Anliegen. Kurz nach der Schlussabstimmung in den Räten zogen die Initiantinnen ihr Begehren zugunsten des Gegenvorschlags zurück – das doppelte Ja war damals noch nicht möglich. Am 14. Juni 1981 hießen rund 60 Prozent der Stimmenden den neuen Gleichstellungsartikel gut. Als weiterer wichtiger Fortschritt nahmen am 22. September 1985 knapp 55 Prozent der Stimmenden das revidierte Eherecht an. Vom damals aufstrebenden SVP-Nationalrat Christoph Blocher als Widerspruch zur biblischen Ordnung bekämpft, beendete das neue Recht die Unterordnung der Frau unter den Mann, der als «Familienoberhaupt» etwa über die Berufstätigkeit seiner Frau bestimmen konnte, und machte die Ehe zu einer Institution gleichberechtigter PartnerInnen.

Trotz dieser Erfolge blieben Diskriminierungen bestehen, insbesondere auch im Bereich der Lohngleichheit.

Deshalb organisierten die Frauen genau nach 10 Jahren, der Annahme des Gleichstellungsartikels in die Bundesverfassung, einen Streik unter dem Motto ,,Wenn Frau will steht alles still”.

Bei den Forderungen ging es um Gleichberechtigung im weitesten Sinne: Die Streikenden forderten die Umsetzung des Gleichstellungs-Artikels der Bundesverfassung zur Lohngleichheit, die gleiche Ausbildung für Frauen, die Bekämpfung der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz, die Gleichstellung in der sozialen Sicherheit, mehr Krippenplätze, Blockzeiten in den Schulen, die Aufteilung der Hausarbeit zwischen Mann und Frau. Außerdem verlangten sie ein Ende der sexuellen Gewalt, der sexistischen Werbung und der Pornografie sowie effektive Maßnahmen gegen Vergewaltigungen und Gewalt in der Ehe.

Doch eine Angleichung der Löhne wurde nach dieser ersten lila Welle nicht erreicht. 2019 folgte eine zweite Welle: 28 Jahre später, wieder an einem 14. Juni.

Die treibenden Kräfte dieser zweiten Mobilisierung waren Gewerkschaften und Frauenverbände. Sie reagierten auf die 2018 verabschiedete Revision des Bundesgesetzes über die Gleichstellung von Frau und Mann von 1996, die keine Sanktionen vorsah bei Nichteinhaltung der Lohngleichheit in Unternehmen, die Lohngleichheit Analysen durchführen müssen.

Zu den Forderungen für 2019 gehörten neben dem Motto «gleicher Lohn für gleiche Arbeit» auch die Anerkennung der Hausarbeit und der Kampf gegen Gewalt an Frauen. Also die gleichen Forderungen wie diejenigen von 1991.

Warum wir heute am 14. Juni immer noch auf die Straßen gehen müssen

Die Vernetzung vor und nach dem 14. Juni 2019 hat uns gestärkt und gezeigt wie wichtig es ist als Frauen unseren Widerstand auf die Straßen zu tragen. Auch in den letzten Jahren hat sich kaum etwas in Sachen Gleichstellung verbessert. Genau im Gegenteil nicht nur die Hausarbeiten, die vor allem durch Frauen geleistet wird, hat sich summiert, auch die häusliche Gewalt gegenüber Frauen hat sich schlichtweg vermehrt. Jede zweite Woche wird in der Schweiz ein Femizid begangen. Auch die Kriege die heute weltweit stattfinden bedeuten immer auch Gewalt gegenüber Frauen und LGBT+ – innerhalb des Militärs und gegen die Bevölkerung in den Kriegsgebieten. Auch die Arbeit die vor allem durch Frauen erledigt wird, wird heute zwar als systemrelevant anerkannt, doch es hat sich weder bei der Lohngleichheit noch bei den Arbeitsbedingungen was getan. Aus diesen Gründen und noch vielen Mehr sollten wir gemeinsam unseren Widerstand auf die Straßen tragen! Wir können das nicht mehr stillschweigend ertragen. Lasst am 14. Juni alles liegen und stehen und kommt mit uns gemeinsam auf die Straße, um gegen Sexismus, Ausbeutung, Diskriminierung, Krieg und Krise anzukämpfen!

Mehr Infos auf Instagram: @zoraschweiz

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