Gedicht für eine Gefallene

Im Ramen des Monats der Gefallenen hat eine Genossin ein Gedicht geschrieben.

Ivana du bist unser Stern
Der vom Boden in den Himmel aufstieg
So leuchtest du uns den weg
Der uns zum Sieg führt

Eng aneinander laufen wir
So laufen wir bis wir dich wiedersehen
Gegangen bist du
Doch nicht für uns
Für uns trägst du den willen
Eine Welt zu erbauen
Die noch nie wer gesehen hat
Die Welt die uns alle zum Leuchten bringen wird
So wie einst dein Lächeln leuchtete
Als du dich entschieden hast frei zu sein

Avasin du bist jetzt frei
Und lässt uns die Pflicht auch frei zu sein
Dem krieg den Krieg zu erklären
Deinen weg zu gehen
Denn dein weg ist unser weg
Bis die Frage des Sieges geklärt ist
Wirst du uns den Weg weisen

Tekosin du bist unser herz
Vergessen wirst du nicht
Dein Kampf wird siegreich sein

Defend Rojava – Verteidigen wir die Frauenrevolution! Gemeinsam gegen den türkischen Faschismus!

Heute Nacht hat der türkische Staat das begonnen, was er seit Monaten ankündigt: Verschiedene Orte Kurdistans wurden angegriffen. Ein Angriff auf Kurdistan ist immer ein direkter Angriff auf die Frauenrevolution in Rojava, Nord- und Ostsysrien. Die Frauenrevolution ist eine Besonderheit für uns, denn sie bringt so viele fortschrittliche Errungenschaften mit sich. Frauen haben ihre Selbstverteidigung durch die Entwicklung einer frauenfreundlichen Politik gestaltet. Es gibt Frauenräte, Frauengerichte die Fälle von patriarchaler Gewalt im Sinne der Betroffenen behandeln und diese nicht zwingen zu beweisen, was ihnen widerfahren ist – sondern der Mann, der die patriarchale Gewalt ausgeübt hat steht in der Beweispflicht.
Die YPJ Frauenverteidigungseinheiten verteidigen im militanten Kampf Frauenrevolution und kämpfen gegen den sogenannten Islamischen Staat und die faschistische Türkei. Ihre Durchbrüche, ihr Kampfwille und ihr Mut bringen den Kampf für die Befreiung der Frauen voran und sie wurden zu einem Licht für alle unterdrückten Frauen der Welt.
Die Angriffe auf Kurdistan werden von Deutschland, der EU und der NATO unterstützt anhand von Waffenlieferungen oder der Billigung des türkischen Vernichtungskrieges gegen die Kurd:innen.
Zuletzt waren es Chemiewaffen, die nach internationalem Recht illegal sind, die Guerillakämpfer:innen in Kurdistan ermordeten.
Unsere Aufgabe ist es hier vor allem die Rolle des deutschen Staats zu entlarven und zu kritisieren. Die enge Zusammenarbeit mit einem Staat wie der Türkei gilt es unbedingt scharf zu verurteilen! Denn mit „feministischer Außenpolitik“ hat das nichts zu tun, wenn die Frauenrevolution in Rojava mit deutschen Waffen angegriffen wird.

Auch ist es wichtig zu sehen, wie deutsche Medien den türkischen Medien einfach nachplappern und das Aufhetzen gegen Aktivist:innen des kurdischen Befreiungskampfes nur noch verstärken. Ein gutes Beispiel dafür ist der Anschlag in Istanbul letzte Woche, der 6 Menschen in den Tod riss. Die Schuld wies der türkische Staat gleich PKK-Anhängerinnen zu, welche sich ganz klar von einer solchen Tat gegen Zivilist:innen distanzierten. Es ist nicht das erste Mal, dass im Rahmen einer anstehenden Wahl solche Anschläge passieren, die weitere Angriffe des türkischen Militärs gegen die Kurd:innen legitimieren soll und die Bevölkerung ebenfalls gegen Kurd:innen aufhetzen soll.

In der Türkei erleben Aktivist:innen aktuell eine Welle der Repressionen: So wurden beispielsweise unsere Genoss:innen im Frauenverein „Kaktüs“ in Kadıköy während ihrer Vorbereitungen für den 25. November, der Tag gegen Gewalt an Frauen von der türkischen Polizei unter Folter festgenommen. Die Genoss:innen schrieben auf Twitter: „Der männliche Staat, der glaubt, mit einer Politik der Gewalt und Unterdrückung unseren Marsch zur Frauenrevolution zu verhindern zu können, irrt!“ Revolutionäre Frauen sind diesen Angriffen besonders ausgesetztem, denn sie sind dem patriarchalen faschistischen Staat ein Dorn im Auge, denn sie bringen das Patriarchat – einer der Stützpfeiler des Faschismus- ins Wanken!
Wir stehen solidarisch an der Seite unserer Schwestern die den türkischen Staat aus der Türkei und Kurdistan aus bekämpfen.
Lasst uns Frauensolidarität praktisch werden lassen und in die Fußstapfen von Ivana Hoffmann treten, einer Duisburgerin, die sich 2015 dem bewaffneten Kampf für die Verteidigung der Revolution angeschlossen hat.

Lasst uns Solidarität praktisch werden lassen und insbesondere heute, am Trans Day of Remembrance, den trans Personen gedenken, die heute nicht mehr bei uns sein können. Wir gedenken Okan Altunöz, einer trans Guerilla-Kämpferin, die erkannt hat, dass wir uns auch als LGBTI+ organisieren und dem antikapitalistischen, antifaschistischen Kampf anschließen müssen. Okan Altunöz ist in Kurdistan im Kampf gefallen! Lasst uns ihre Fahne und die aller Gefallenen auch hier auf den Straßen weiter tragen!

Verfolgt unsere Social Media Kanäle, um über anstehende Aktionen auf dem Laufenden zu bleiben. Kommt mit uns auf die Straßen, leisten wir Widerstand gegen die Zusammenarbeit mit dem türkischen Faschismus und zeigen wir uns solidarisch mit der Frauenrevolution!
Wir rufen euch auch dazu auf am 25. November mit uns auf die Straße zu gehen und laut zu werden, denn das, was gerade in Kurdistan passiert, ist alles auch eine Form der Gewalt gegen Frauen.
Jin Jîyan Azadî!

Antifaschismus stärken, jetzt!

In unserer aktuellen Gesellschaft jagt eine Krise die nächste. Das hat der Kapitalismus so an sich,
die Krisen. Gerade im letzten Jahrzehnt scheint die Situation immer auswegloser zu werden, denn die Krisen bedingen einander und gehen ineinander uber. So haben wir uns in den letzten fast 3 Jahren noch immer nicht von der anhaltenden Corona-Pandemie erholt und den schrecklichen Überflutungen im Arthal, verstärkt durch die Klimakrise. Und schon steht die nächste Wirtschaftskrise bevor, befeuert durch den imperialistischen Krieg zwischen NATO und Russland um die Ukraine. Der gegenwärtige Zustand unserer Gesellschaft birgt große Chancen aber auch große Gefahren, vor Allem von Rechts und in erster Linie für Frauen. Oder um es mit den Worten von Rosa Luxemburg zu sagen: „Sozialismus oder Barbarei“.


Wir können zur Zeit etwas beobachten, wogegen linke, revolutionäre Organisationen seit Jahrzehnten kämpfen: Ein Erstarken des Faschismus. Ob nun die neugewählte italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ihre faschistischen Partei „Fratelli d‘Italia“, eine Mussolini-Nachfolgepartei, oder in Israel, wo extreme Rechte wie Itamar Ben-Gvir von der
rechtsextremen Jüdischen Stärke an Macht gewinnen. Auch das Vorgehen des Erdogan-Fachismus gegen die kurdische Bevölkerung wird immer aggressiver. So werden die Giftgasangriffe mit illegalen Waffen auf Kurdistan von Staaten wie Deutschland geduldet. Russland nutzt als Vorwand seines Angriffskrieges zur Erlangung neuer Einflussbereiche die angebliche „Entnazifizierung“ der Ukraine. Währenddessen unterstützt Deutschland die Ukraine und ihre faschistischen Kräfte wie das Asow-Regiment mit Waffen und stellt sich mit der NATO gegen Russland. Inmitten dessen wird der Antifaschismus immer weiter kriminalisiert, z.B. durch das Verbot kommunistischer Symbole -in der Ukraine aber auch in Deutschland.


Diese Entwicklungen stellen eine direkte Bedrohung für uns Antifaschist:innen dar, denn einem Staat wie Deutschland spielt der Faschismus in die Tasche: dadurch, dass er die Arbeiter:innen spaltet und das kapitalistische System schützt. Der Faschismus der Neuen Rechten führt zu einer Spaltung der Arbeiter:innenklasse. So wird beispielsweise die Migration als Problem des Arbeitsplätzemangels umgedeutet. Diese falsche Schlussfolgerung ist dem kapitalistischen Staat ganz recht, denn solange die Arbeiter:innen sich gegenseitig bekämpfen, schließen sie sich nicht zusammen um die Ursache des ganzen zu bekämpfen: den Kapitalismus. Welche Folgen hat aber ein faschistisches Erstarken für Frauen? Wenn Giorgia Meloni davon spricht, die Geburtenrate in Italien erhöhen zu wollen, betrifft das in erster Linie Frauen und gebärfähige Menschen und setzt voraus, dass patriarchale Strukturen und Geschlechterrollen gestärkt werden. Diese Vorgehensweise hat folgende Vorteile für einen kapitalistischen, im übrigen immens verschuldeten, Staat wie Italien: Die Frau wird wieder weiter ins häusliche gedrängt, schafft Profite für Unternehmen durch ihre Lohnarbeitskraft, die sie in aktuellen Krisenzeiten mehr denn je verrichten muss um ihre Familie mitzuernähren. Währenddessen zieht sie eine neue Generation Arbeiter:innen auf, die dem Staat in Zukunft wiederum ihre Arbeit verkaufen werden.
Die Erhöhung der Geburtenrate kann aber auch bedeuten, dass das Abtreibungsrecht weiter
eingeschränkt und die Durchführung kriminalisiert wird, für die Frau so wie für Ärzt:innen.


Ein Erstarken faschistischer Strukturen und Gedanken gilt es also für uns Frauen und
Antifaschist:innen konsequent zurückzuschlagen, mit allen Mitteln die uns dafür recht und die nötig sind. Dabei sind Selbstverteidigung und die Verteidigung unserer Rechte legitim und notwendig. Da uns in diesem System Rechte aber immer wieder genommen werden können, müssen wir langfristig denken und einen antifaschistischen Kampf führen und eine Gesellschaft formen und erkämpfen, jenseits von Kapitalismus und Patriarchat. Jenseits von Lohnarbeit, Geschlechterrollen, Armut, Krieg, Krise und Gewalt. Wir müssen Antworten auf die Fragen unserer Zeit entwickeln und diskutieren! Die Frauen in Rojhilat, Rojava und Afghanistan, Antifaschist:innen auf der ganzen Welt machen es vor, machen wir es ihnen nach! Gemeinsam können wir uns von unseren Fesseln befreien.

Von ihnen lernen und weiter kämpfen

Im Ramen des Gefallenenmonats haben wir uns darüber Gedanken gemacht, wie uns Frauen, die in der Vergangenheit gekämpft haben, mit ihren Geschichten beeinflussen. In dieses Gedenken möchten uns diese drei jungen Frauen einbeziehen und ihre Gedanken mithilfe von Briefen hier teilen.

Mina: Der Monat der Gefallenen und damit die Genossinnen, denen wir darin gedenken, haben für mich eine große Bedeutung. Aber für mich ist das keine Periode der Trauer, der Trägheit oder Resignation. Trauer, Wut oder Besinnlichkeit haben natürlich auch ihren
Platz, aber diese Zeit und die Menschen, den sie gewidmet ist, bedeuten viel mehr als das. Sie sind ein Anlass für Inspiration, Hoffnung, Mut und das Teilen schöner Erinnerungen. Uns wird die Möglichkeit gegeben, auf die beeindruckenden Leben dieser Menschen zurückzublicken, die bereit waren, alles zu geben im Kampf für eine gerechtere, bessere Welt. Die Möglichkeit ihre Gedanken, Hintergründe und Ideologie kennenzulernen und von ihnen zu lernen.
All das gilt ganz besonders für unsterblich gewordene Frauen. Wie aus jedem anderen Bereich des öffentlichen Lebens wurden und werden wir auch aus dem politischen Kampf seit je her verdrängt. Uns wurde Mitsprache verwehrt, unsere Ideen ignoriert,
unser Präsenz unsichtbar gemacht und unsere Errungenschaften verleugnet. Aber wir akzeptieren diese lächerlichen Versuche unseren Kampf zu invalidieren nicht. Wir wissen, dass unsere Genossinnen diesen Kampf bereits seit mehreren hundert Jahren
nicht nur führen, sondern auch bereit sind ihre Leben für ihn zu geben. Ein ganz besonderes Beispiel hierfür ist die Revolution in Rojava. Denn diese ist von ihren Grundidealen auf auch eine Frauenrevolution und damit sind Frauen in jedem
Bereich unverzichtbar involviert. Sie waren und sind Teil der Befreiung der Region, ihres Wiederaufbaus und ihrer Verteidigung. Und viele von ihnen sind dabei unsterblich geworden. Diese Genossinnen waren bereit alles für den (Frauen)Kampf zu geben und
lehren uns von Konsequenz, Mut und Hingabe. Zwei Geschichten haben bei mir ganz besonders Eindruck hinterlassen.
Einerseits die von Okan Altunöz, einer Kurdin und Alevitin, die seit 2016 Revolutionärin in Rojava war. Als trans Frau kämpfte sie auch gegen den Heterosexismus und zeigt mir, dass wir alle gleichermaßen Teil dieses Kampfes sein können und müssen. Sie inspiriert
mich über meine eigenen Probleme hinauszuwachsen und meinen Individualismus abzulegen. Andererseits ist es die Geschichte von Ivana Hoffmann, einer jungen Revolutionärin aus Duisburg. Als lesbische, schwarze Frau aus der Arbeiterklasse musste sie schon früh
selbst Unterdrückung kennen lernen und begann ebenso früh, dagegen zu kämpfen.
Schon mit 18 Jahren reiste sie nach Rojava und wurde Teil der Revolution. Von ihr können wir lernen, dass eine jede von uns zu Großem und Bedeutendem in der Lage ist, wenn wir genügend Mut und revolutionären Geist in uns aufbringen.
Unsterbliche Frauen sind Inspirationen für mich, sie sind Vorbilder und Antrieb mich weiter zu entwickeln und zu einer besseren Revolutionärin zu werden. Sie zeigen, wie viel Mut und Kraft in uns allen steckt und spornen an , sie zu finden und für unsere
politische Praxis zu nutzen. Wir müssen ihre Geschichten in Erinnerung behalten, daran denken, was für außergewöhnliche Menschen vor uns waren und den Kampf in ihrem Namen weiterführen.

Marina: Unsterbliche Frauen hatten und haben einen sehr großen Einfluss auf mich. Ihre Geschichten zu hören und über sie zu lernen, gibt mir sehr viel Hoffnung. Vor meiner Organisierung konnte ich nicht so wirklich Hoffnung für einen Widerstand im Kapitalismus finden und es fehlte mir häufig an einer Perspektive. Durch Frauen wie Ivana Hoffmann habe ich unglaublich viel Hoffnung und Motivation gewinnen können. Frauen, die sich voller Überzeugung gegen das System stellen und für eine würdevolles Leben für alle kämpfen, trotz Repressionen und letztendlich sogar ihr Leben für eine bessere Welt geben. Das hat mich sehr geprägt. Als ich das Buch von Ivana Hoffmann las, habe ich sehr viel Kraft dadurch gewinnen können. Ihr Geschichte hat mich unglaublich beeindruckt. Zu sehen, wie sie mutig, stark und überzeugt gegen den Faschismus kämpfte und allen fair und aufgeschlossen begegnete. Auch wenn sie noch jung war, hat sie als Frau und LGBTI+ gesehen, dass dieses System uns fortwährend ausbeutet und dementsprechend gehandelt. Sie hat eine Entscheidung getroffen und mit ihrem damaligen Leben in Deutschland gebrochen, um die Frauenrevolution in Nord- und Ostsyrien mit ihrem Leben zu verteidigen. Trotz ihrer Familie und ihren Freund:innen, welche sie geliebt haben, hat sich entschlossen zu gehen und ist eine unsterbliche Frau geworden, aus welcher Geschichte wir heute alle Kraft und Mut schöpfen können. Unsterbliche Frauen zeigen uns, dass es sich lohnt gegen dieses System zu kämpfen und dass es wichtig ist eigene Bequemlichkeiten aufzugeben. Sie zeigen uns, dass uns keine Wahl bleibt und wir uns gemeinsam als Frauen und LGBTI+ gegen Patriarchat und Kapitalismus organisieren müssen. Die Geschichten unsterblicher Frauen haben mir deutlich gemacht, dass es Hoffnung in unserem Widerstand gibt, dass es sich lohnt zu kämpfen. Sie sind ein Vorbild für uns alle, denn wir können viel von ihnen lernen. Es ist wichtig ihre Geschichten zu erzählen und an sie zu gedenken, denn sie haben ihr Leben für eine Revolution und eine bessere Welt geopfert. Ich glaube, dass viele Personen durch ihre Geschichten den Mut finden sich gegen den Kapitalismus zu organisiere, denn sie können sehen, was für eine Sprengkraft Frauen im Widerstand besitzen.

Dalia: Mit der Frauenunterdrückung war ich – wie jede andere Frau – sehr früh konfrontiert. Ob es Gewalt in den eigenen vier Wänden war, Geschichten von Freundinnen, Tanten, Cousinen oder aus dem eigenen Leben. Mit den Jugendjahren entwickelte ich langsam ein Geschlechtsbewusstsein. Es waren die kleinen Momente, wo ich gelernt habe was Frauensolidarität ist. Sich an der Seite an Freundinnen, Mitschülerinnen und Frauen stellen, wenn wir sehen, wie sie wie ein Objekt behandelt werden. Nicht selten wurde fremden Frauen und Mädchen in der Öffentlichkeit Hilfe angeboten, weil wir wussten in einer Gruppe von Frauen ist man stärker als allein. Aber wie kann ich diese Frauensolidarität weitertragen? Von Ivana Hoffmann hörte ich vor meiner Organisierung. Eine junge Frau aus Duisburg zog nach Rojava, um die Frauenrevolution zu verteidigen. Eine Frau die wahrlich die Frauensolidarität in die Tat umgesetzt hat. Eine junge Frau – damals so alt wie ich aktuell – kämpft gegen den IS und verteidigt die Frauenrevolution. Eine Revolution, die ein Leben frei von Kapitalismus, Faschismus und Patriarchat erzielen wird. Das ist wohl für viele erst unvorstellbar, wenn man fast kaum wo auf der Welt die patriarchale Gewalt in keiner Sekunde des Lebens ausschalten kann. Ich war hin und her gerissen und ein halbes Jahr später habe ich mehr über sie erfahren. Gespräche mit Genoss*innen, Ivanas Freund*innen und Verwandten. Ich werde nicht vergessen wie eine Genossin, die Ivana sehr gut kannte, während des Camps meinte: „Wenn Ivana hier sitzen würde, ich bin mir sicher, sie hätte aus den Ruhigen unter uns das beste und stärkste rausgeholt“. Heute weiß ich, dass sie auch mich meinte. Ich war sehr neu unter meinen Genossinnen und dementsprechend sehr ruhig und unsicher. In den Monaten danach habe ich mich gemeinsam mit meinen Genoss:innen sowohl im theoretischen Wissen als auch in der politischen Praxis weiterentwickelt. Leider gab es auch Zeiten, wo es anders aussah: Studium, politische Organisierung, finanzielle Ängste, Familie und Freunde. Viele Fragen in meinem Kopf, die rumschwirrten. Renne ich als Kommunistin im Kapitalismus gegen eine Wand? Wie soll ich mein Studium in 6 Semestern schaffen? Was halten eigentlich meine Eltern von meiner Überzeugung? Nach einem halben Jahr Organisierung wurde ich etwas unsicher.

3 Wochen lang war ich mit meiner Familie in der Heimat. Weit weg von Deutschland und meinen Genoss:innen. In den ersten Tagen las ich das Buch „Ein Leben voller Liebe und Hoffnung“. Und in den ersten Tagen wollte ich wieder zurück zu meinen Genoss*innen. Ivanas Geschichten haben mich wieder daran erinnert was ich schon als junges Mädchen wollte: die Befreiung aller Frauen. Und es hat mich daran erinnert, dass ich meinen Wunsch und mein Geschlechtsbewusstsein in eine revolutionäre Praxis umwandeln muss. Wir als revolutionäre Frauen müssen Ivanas rote Fahne weitertragen. Ihre Unsterblichkeit bedeutet, dass ihre Ideen, ihre Überzeugung und Praxis weiterleben und von uns weitergetragen werden müssen. All diese Überforderungen und Ängste, die ich hatte, flogen wie eine Feder weg. Ivanas lautstarke Art inspiriert mich auch als Frau mein Geschlechtsbewusstsein immer wieder zu reflektieren und die Ängste, die einem beigebracht wurden, zu brechen. Ivana ist unsterblich, weil wir als revolutionäre Frauen jeden Tag aufs Neue uns an ihre Geschichten und ihre Überzeugung erinnern. Daran was Frauensolidarität bedeutet und wir nicht an der Wirksamkeit unserer Praxis zweifeln sollten.

Von einer jungen Frau, die ich war, in der Menge schüchtern zurückhaltend und ruhig, bin ich heute anders. Zwar habe ich mein Ziel nicht erreicht, aber Ivanas Charakter und Überzeugung motivieren mich jeden Tag dazu mich gemeinsam mit meinen Genossinnen weiterzuentwickeln.

Rezension zu dem Film: MOXIE-Zeit zurückzuschlagen!

Moxie ist ein Film, der von Schüler:innen handelt, die sich dazu entscheiden sich dem Sexismus und patriarchalischen Strukturen in der Schule entgegenzustellen, statt weiterhin den Kopf einzuziehen. Ein neues Schuljahr fängt an Vivians High-School an. Die Hauptdarstellerin erlebt jeden Tag, wie sich die Jungs und männlichen Lehrer gegenüber den Schülerinnen verhalten. Als sich die neue Mitschülerin Lucy dem entgegenstellt, während Sie von ihren männlichen Mitschülern belästigt und schikaniert wird, öffnet das Vivian die Augen. Zen letzten Funken zündet dann ihre Mutter als sie ihr aus ihrer Jugend erzählt, in der es vor allem darum ging, da Patriarchat zu stürzen. Vivian brennt und entwirft über Nacht ein Flyer mit dem Titel Moxie-übersetzt Mumm oder Mut- und verteilt diese anonym in der Schule. Der Flyer macht über das Verhalten ihrer Mitschüler aufmerksam. Sie fordert ihre Mitschüler:innen auf, sich solidarisch zu zeigen, indem Sie sich Sterne
und Herzen auf die Hände malen. Zunächst ist die Resonanz gering, doch es tun sich um sie herum eine Gruppe von Schülerinnen zusammen um sich zu organisieren und den Jungs und er Schule den Kampf anzusagen. Die Selbstorganisierung der jungen Frauen bestärkt sie, sie fühlen sich als Gruppe stark und sie merken: gemeinsam können sie etwas verändern.
So stellen sie beispielsweise eine Schülerin, die Kapitänin der Frauenfußballmannschaft für ein Stipendium gegen den Kapitän des Footballteams auf. Es geht um den sexistischen High School Dresscode bis hin zu Vergewaltigung. Was die Schülerinnen verbindet ist die patriarchale Unterdrückung.


Es geht neben patriarchaler Unterdrückung außerdem immer wieder um Rassismus gegenüber Schwarzen Schülerinnen. So wird beispielsweise thematisiert, wie Schwarze Frauen sexualisiert werden. Neben dieser Haupthandlung spielen sich typische Szenen ab, wie man sie aus High-School Filmen kennt: Vivian verliebt sich in einen Mitschüler, der sich solidarisch zeigt. Dieser Teil nimmt zunehmend eine wichtige Rolle im Film ein und die Handlung kommt leider etwas von dem eigentlichen Inhalt, also dem Widerstand der jungen Frauen, ab. Leider geht es in dem Film wenig um die systematische Unterdrückung der Frau im Kapitalismus.
Vivians Mutter kommt abends immer sehr kaputt von der Arbeit nach Hause. Von einem Vater und finanzieller Unterstützung ist weit und breit nichts in Sicht. Vivians Mutter muss sich scheinbar kaputtarbeiten, um ihr und Vivian ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Warum wird das nicht im Film thematisiert? Zu Beginn des Film fällt einmal kurz der Begriff
„Arbeiter:innenklasse“. Leider spielen im weiteren Film Klassenkämpfe keine weitere Rolle. Der Film ist eine Netflix Produktion. Da ist es nicht sonderlich erstaunlich, dass keine große Kapitalismuskritik geübt wird.


Jedoch ist auch klar: es ist ein High-School Film, in dem es vor allem um die patriarchale Unterdrückung in der Schule geht. Das wird vom Film sehr ausdrucksstark und deutlich dargestellt. Die Schülerinnen beobachten viele Probleme und gehen auf verschiedene Arten dagegen vor! Sie schließen sich zusammen und zeigen Frauensolidarität, obwohl sie so unterschiedlich sind. Das zeigt: was uns verbindet ist der gemeinsame Kampf gegen das Patriarchat!

Demonstration gegen Femizide am 29.10. um 15 Uhr U Bahnhof Eberswalder Straße Berlin: Gerechtigkeit für Zohra und Jina

Gerechtigkeit für Zohra und Jina

Gerechtigkeit für alle Frauen, von Berlin bis Teheran ! Zohra wurde vor 6 Monaten in Pankow von ihrem Ex-Mann umgebracht, weil er seine Frau als sein Eigentum betrachtet hat. Jina Amini wurde vor einem Monat von der iranischen Sittenpolizei ermordet, weil der Staat Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt.In Gedenken an beide und in Solidarität mit den Aufständen im Iran und Frauenkämpfen weltweit gehen wir auf die Straße! 

Zohra floh aus Afganistan nach Deutschland in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Nach jahrelanger Unterdrückung und häuslicher Gewalt trennte sie sich von ihrem Ehemann. Dieser bedrohte sie darauf hin täglich, sprach sogar Morddrohungen aus. Zohra suchte sich Hilfe. Unter anderem stellte sie beim Familiengericht einen Antrag, um ein Kontakt- und Näherungsverbot zu erwirken. Normalerweise wird über so einen Antrag innerhalb von ein paar Stunden bis hin zu wenigen Tagen entschieden. Warum es bei Zohra über eine Woche nicht dazu kam, wissen wir bis heute nicht.  Zohra zeigte ihren Mann drei mal an und auch ihre Schwester, die in einer anderen Stadt lebt und auch bedroht wurde, wendete sich an die Polizei, diese blieb jedoch tatenlos. Zwar bekam ihr Ex-Mann Hausverbot in der Geflüchtetenunterkunft in der Zohra lebte, aber das war kein Schutz, er lauerte ihr auf davor auf und ermordete sie. 

Die Morde an Frauen, wir nennen sie Femizide, stehen am Ende einer langen Kette von Hass, Erniedrigung, Gewalt und Unterdrückung von Frauen. Im letzten Monat wurden in Berlin allein zwei Frauen von Männern ermordet, die sie als ihr Eigentum sahen und es liegt an uns, für sie, für Zohra und für alle Ermordeten um Aufklärung und Gerechtigkeit zu kämpfen! Der Kampf für Gerechtigkeit, gegen Ausbeutung und Unterdrückung, führen wir nicht nur hier, sondern Frauen weltweit organisieren sich.

Gerade sehen wir die Frauenaufstände im Iran und Ostkurdistan nach dem Femizid an Jina Amini durch die sogenannte Sittenpolizei. Immer mehr Teile der Bevölkerung gehen auf die Straßen, Frauen protestieren mutig, indem sie ihre Kopftücher mitten auf den Straßen verbrennen und sich die Haare abschneiden, denn Jina wurde ermordet, weil sie ihre Haare nicht vollständig mit einem Kopftuch verhüllt hatte. Was mit einem Protest für Aufklärung des Mordes an Jina Amini begonnen hat, ist mittlerweile eine breite Revolution, angeführt von Frauen, die sich gegen das gesamte repressive Regime stellt. Denn Frauen im Iran unterliegen strengen patriarchalen Repressalien: Die iranische Verfassung bestimmt, dass Männer und Frauen „unter Berücksichtigung islamischer Prinzipien“ gleichberechtigt sind. Das heißt konkret: Frauen haben ihrem Mann Gehorsam zu leisten und nach seiner Erlaubnis zu bitten, um Freunde und Verwandtschaft zu besuchen, einen Reisepass zu besitzen und zu verreisen, eine Fahrerlaubnis zu erhalten und berufstätig zu sein. Zudem hat die Frau ihrem Ehemann gegenüber nach iranischem Recht nach seinem Verlangen sexuell verfügbar zu sein. Gehorcht sie nicht, kann ihr Ehemann ihr gegenüber jederzeit Gewalt anwenden und selbst mit einer Scheidung muss der Ehemann einverstanden sein. Er hingegen kann sich scheiden lassen, wann und aus welchem Grund er möchte. Zudem gilt im Iran bei außerehelichem Geschlechtsverkehr die Todesstrafe, was auch für Vergewaltigungsopfer gilt.

Bei dieser Gesetzgebung ist es auch kein Wunder, dass das iranische Regime behauptet, die gesunde erst 22- jährige Frau sei an Herzversagen gestorben und probiert so die Ermordung Jinas durch die Sittenpolizei zu vertuschen. Doch die Frauen im Iran und wir Frauen weltweit werden, das nicht zulassen. Wir müssen uns organisieren und für Jina und für alle Ermordeten um Aufklärung und Gerechtigkeit kämpfen!

Unsere expliziten Forderung : Das Versagen der Behörden muss transparent Aufgearbeitet werden und sie müssen zur Verantwortung gezogen werden. Auch unterlassene Hilfeleistung bei Amtsträgern muss geahndet werden. Der Täter darf nicht in die willkommenden Arme der Taliban abgeschoben werden, sondern muss vor ein Gericht der BRD gestellt werden,aber nicht wegen Totschlag. Femizide müssen als das verurteilt werden, was sie sind: Mord.

Es gibt keine Wiedergutmachung, aber wir fordern finanzielle Unterstützung für die Familie von Zohra.

Anstatt dass 100 Milliarden in die Bundeswehr gesteckt werden, um weiterhin imperialistische Kriege zu führen, die Frauen in zahlreichen Ländern in prekäre Situationen führen, muss die Regierung viel Geld in die Hand nehmen und allen Frauen, egal ob mit deutscher Staatsangehörigkeit oder nicht, egal mit welchem Aufenthaltstitel, Schutz vor Gewalt gewährleisten. Wir brauchen genug Frauenhäuser, in denen auch Frauen mit vielen Kindern wie Zohra Zuflucht finden, Maßnahmen zum Schutz der Betroffenen und nachhaltige Hilfsprogramme.

Lasst uns dafür am 29.10.2022, ein halbes Jahr nach der Ermordung Zohras, auf die Straße gehen.

In Gedenken an Zohra, Jina und alle Ermordeten und unsere Solidarität mit internationalen Frauenaufständen auf die Straßen bringen ! Wir müssen uns zusammentun und gegen Femizide und das System, das hinter Ihnen steckt, kämpfen! 

Unsere Befreiung gibt es nicht alleine, entweder zusammen oder keine!

Wir haben die Macht das System zu Fall zu bringen! Frauen und die Krise

Es geht an niemandem vorbei: Inflation, Teuerungen, Versorgungsprobleme, Krieg, Krise.
Kommt nach 2008 jetzt die nächste Wirtschaftskrise oder wird es noch viel schlimmer?
Tatsache ist: Der Kapitalismus weltweit hat sich von 2008 nie erholen können. Was wir
gerade tagtäglich erleben, ist nicht bloß eine Wirtschaftskrise. Die Wirtschaft wird sich nicht
einfach „erholen“. Was wir gerade erleben, ist das Versagen eines Systems, welches
versucht wird am Leben zu erhalten, das Versagen des Kapitalismus in der existenziellen
Krise. Uns wird verkauft, dass wir gerade in einer Wirtschaftskrise stecken, die durch die
Corona-Pandemie angefangen hat und sich durch den Krieg in der Ukraine zugespitzt hat. Es
sollen alles äußere Faktoren sein, die für die aktuellen Preissteigerungen und
Versorgungsprobleme verantwortlich sind. Dabei zeigen ökonomische Analysen, dass all das
schon lange vor Corona begonnen hat. Es wird verschleiert, dass das Problem nicht von
außen kommt, sondern tief verankert in unserer Produktionswiese ist, tief verankert im
Kapitalismus. Die Preise steigen nicht wegen des Kriegs. Krieg ist nicht die Ursache, sondern
der Versuch der Herrschenden, nicht an der existenziellen Krise zu zerbrechen.

Der Kapitalismus steckt in einer existenziellen Krise fest. Es geht also nicht nur um eine
Wirtschafts- oder Finanzkrise, nein, es geht um eine allumfassende Krise. Sie umfasst
Wirtschaft, Politik und Ideologie; Sie umfasst die gesamte Gesellschaft. Und die Folgen
davon werden für uns immer spürbarer. Durch die Krisentendenzen im wirtschaftlichen
Bereich haben wir gerade mit sinkenden Löhnen, steigenden Preisen und immer knapper
werdenden Waren zu kämpfen. Aber all das nicht noch lange nicht der Höhepunkt. Die
Wirtschaftskrise bahnt sich an, aber ist noch nicht erreicht. Die Wirtschaft ist im Abschwung
und all die genannten Probleme werden sich in den nächsten Jahren verschärfen. Schon jetzt
liegt die Inflation in Deutschland bei 10%, in Argentinien bei 78% und in der Türkei bei über
80%. Trotz Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland auf 12 Euro sinken die Reallöhne.
Neue Studien warnen: Armutsgrenze in Deutschland liegt bei 3.600 netto im Monat. 60% der
deutschen Haushalte müssen ihre gesamten Einkünfte ausgeben, um die monatlichen
Ausgaben zu decken. Wenn das erst der Anfang ist, dann sieht die Zukunft dunkel für uns
alle aus. Und wie so oft im männerdominierten Kapitalismus, sieht es für die Frauen noch
dunkler aus.

Situation der Frauen im Kapitalismus
Auch ohne Krise haben Frauen im Kapitalismus nichts zu lachen. Um zu verstehen, welche
Auswirkungen kapitalistische Krise auf das Leben von Frauen hat, müssen wir erst einmal die
allgemeine Stellung der Frau im Kapitalismus analysieren.
Frauen werden in diesem System doppelt ausgebeutet: Sowohl als Arbeiterin in den
Betrieben als auch als Frau im eigenen Haus. Was bedeutet das? Zum Einen müssen Frauen
in der Regel, sowie männliche Arbeiter, ihre Arbeitskraft verkaufen, um zu überleben. Sie
gehen einer Lohnarbeit nach und werden dabei durch die Chefs ausgebeutet, die sich den
produzierten Mehrwert in die eigene Tasche stecken. Eine Arbeiterin bekommt einen
bestimmten Stundenlohn, aber das stimmt nicht mit dem Wert überein, den sie auf der
Arbeit produziert, beziehungsweise an Wert schafft. Der Kapitalist zahlt nur einen kleinen Teil davon als Lohn an seiner Angestellten, der große Rest geht an ihn. Der Lohn stellt nur
sicher, dass die Arbeiterin genug zum Überleben hat und am nächsten Tag wieder zur Arbeit
erscheinen kann. Die Arbeitskraft der vielen wird für den Profit der wenigen ausgebeutet.
Zum Anderen leisten Frauen zu Hause noch mehr Arbeit, zum Beispiel in dem sie den
Haushalt schmeißen, sich um die Kinder kümmern, für die Familie kochen oder sich um
kranke Verwandte kümmern. Diese unbezahlte Reproduktionsarbeit wird nicht entlohnt,
Frauen machen das alles völlig unbezahlt, und das obwohl die Verrichtung dieser Arbeit
essenziell für den Erhalt des kapitalistischen Systems ist. Also während die Männer nach
ihrem Feierabend die Füße hochlegen können, geht es für Frauen weiter mit der Arbeit.

Warum ist diese unbezahlte Arbeit so wichtig für die Produktion im Kapitalismus?
Wie bereits oben erläutert, zahlt der Kapitalist einen Lohn aus, der niedrig genug ist,
um seinen Profit zu maximieren, aber eben auch hoch genug, damit die Arbeiterin am
nächstTag wieder mit voller Arbeitskraft im Betrieb erscheinen kann. Mit anderen
Worten: damit die Reproduktion der Arbeitskraft gewährleistet ist. Aber der Lohn ist
nicht das einzige notwendige Mittel, um die Reproduktion zu sichern. Arbeiter:innen
brauchen nicht nur genügend Geld, um sich Lebensmittel leisten zu können. Es muss
auch noch Zeit investiert werden, um das Essen zu kochen, danach sauber zu machen
und sich um andere Sachen im Haushalt zu kümmern. Und außerdem müssen noch
die Kinder versorgt werden; es geht nämlich nicht nur um die Reproduktion der
Arbeitskraft für den nächsten Tag, sondern auch um die der nächsten Generation.
Also haben wir nun einen ungefähren Überblick darüber, was alles unter den Begriff
der Reproduktionsarbeit fällt. Gemeinsam haben all diese Aufgaben, dass sie in der
Regel von Frauen verrichtet werde, ohne jemals auch nur einen Cent dafür zu sehen.

Um zu verstehen, warum der Kapitalist von der unbezahlten Arbeit im Haus profitiert,
müssen wir die Arbeitskraft als eine Ware verstehen. Genau wie wir im Supermarkt
eine Packung Milch kaufen, kauft der Kapitalist die Arbeitskraft. Wie viel wir für
Waren im Supermarkt bezahlen, hängt von der gesellschaftlich notwendigen
Arbeitskraft, die für die Produktion dieser Ware gebraucht wird, ab. So bildet sich der
Preis. Und für die Ware Arbeitskraft gilt das genauso. Die gesellschaftlich notwendige
Arbeit, die für die Herstellung oder besser gesagt für den Erhalt der Arbeitskraft
benötigt wird, ist die Reproduktionsarbeit. Ein Teil der Reproduktionskosten wird
durch den ausgezahlten Lohn gedeckt. Der andere Teil durch die private Arbeit
zuhause. Je mehr von dieser privaten Arbeit unbezahlt verrichtet wird, desto geringer
sind die Kosten für den Kapitalisten. Sie stecken sich also nicht nur den Mehrwert der
Produktion ein, sondern profitieren auch noch von der unbezahlten Hausarbeit, die
gemacht wird. Heute ist es normal, dass beide Elternteile arbeiten gehen müssen, um
die Familie zu ernähren; Die gesellschaftliche Produktionsarbeit wurde zwischen den
Geschlechtern aufgeteilt und es wird doppelter Mehrwert geschaffen. Die
Reproduktionsarbeit wurde allerdings nicht aufgeteilt. Es sind immer noch Frauen,
die dafür verantwortlich sind.

Halten wir fest: Frauen werden im Kapitalismus doppelt ausgebeutet. Aber bei dieser
einfachen Formel bleibt es nicht, die Gegebenheiten in unserem männerdominierten System
sind deutlich komplizierter.

In Deutschland machen Frauen fast die Hälfte der
Arbeitnehmer:innen in Deutschland aus. Trotzdem gibt es noch einen gewaltigen
Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern. Selbst bei gleicher Ausbildung und gleicher
Beschäftigung verdienen Männer immer noch mehr. Außerdem verdienen Frauen im
gesellschaftlichen Durchschnitt weniger, da sie häufiger in Teilzeit- oder Minijobs arbeiten.
Oft arbeiten Frauen auch schwarz, zum Beispiel als Haushaltshilfe ohne offizielle Anmeldung.
Zu diesen allgemein häufig unsicheren Beschäftigungsverhältnissen kommt, dass Frauen,
wenn sie Mutter werden, für eine gewisse Zeit aufhören zu arbeiten. All diese Faktoren
führen zu einer finanziellen Abhängigkeit von Männern. Nehmen wir an, eine Frau hat zwei
Kinder. Sie hat vor der ersten Schwangerschaft aufgehört zu arbeiten, um die Kinder zu
versorgen. Ihr Ehemann geht weiter arbeiten und das Geld reicht für die gesamte Familie.
Will sie sich nun aber trennen, wird ihr dieser Schritt durch die finanzielle Abhängigkeit vom
Mann erschwert. Gerade hat sie kein eigenes Einkommen und sie weiß, durch die lange
Pause von der Arbeit und dann noch als alleinerziehende Mutter, wird sie es schwer haben
eine gutbezahlte Arbeit zu finden. Außerdem haben es Frauen im Alter oft schwerer, da sie
durch illegale, unterbrochene oder Teilzeitarbeit sehr weniger Rentenanspruch haben, oder
sie erhalten gar keine Rente. Eine Studie von 2018 zeigte, dass 16,4% der Frauen über 65 in
Deutschland von Altersarmut betroffen sind (weniger als 900 Euro stehen monatlich zur
Verfügung), und die Berechnungen zeigen, dass die Quote in den nächsten Jahren steigen
wird. Im Vergleich: 12% der Männer über 65 müssen mit einem so geringen Einkommen
klarkommen.

Das ist also die allgemeine ökonomische Situation der Frauen im Kapitalismus. Die
Ungleichheit der Geschlechter führt dazu, dass Frauen ohnehin schon in einer wirtschaftlich
schlechteren Lage als Männer sind. Dass sie durch Krisen also härter getroffen werden,
überrascht nicht. Aber was sind nun die genauen Auswirkungen der Krise auf Frauen?

1. Frauen zwischen Arbeitslosigkeit und billiger Arbeitskraft
In Krisenzeiten steigt die Arbeitslosigkeit – das ist Gesetz des Kapitalismus. Massen von
Arbeiter:innen werden entlassen, und Frauen sind die ersten. Aber gleichzeitig nimmt die
Beschäftigungsrate von Frauen in Krisenzeiten zu. Wie kommt dieser Widerspruch zustande?
Die Beschäftigung von Frauen in Krisenzeiten nimmt nicht allgemein zu, sondern das gilt nur
für Frauen mit „niedrigen Bildungsniveau“. Mit anderen Worten gilt es für Frauen, die die
Drecksarbeit machen, die aber auch während der Krise gemacht werden muss. In Berufen
mit „höherem Bildungsniveau“ werden Frauen in Krisenzeiten entlassen. Und die nun
arbeitslosen Frauen sind trotzdem gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um zu
überleben. Sie müssen schlechter bezahlte Jobs mit schlechteren Bedingungen annehmen.
Jobs, die im Allgemeinen mehrheitlich von Frauen gemacht werden, da sie den Kapitalisten
als billigere Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Für die Kapitalisten ist es eine gute
Rechnung Frauen einzustellen, da sie ihnen für die gleiche Arbeit weniger als Männern
zahlen können. Zusammenfassend heißt das: Bei besser bezahlten Jobs sind Frauen die
ersten, die entlassen werden. Trotzdem steigt allgemein die Beschäftigungsrate von Frauen,
da in Krisenzeiten billige Arbeitskräfte gefragt sind. Frauen, die ihre Arbeit verlieren sind
gezwungen ihre Arbeit billiger und unter schlechteren Bedingungen zu verkaufen. Es lassen
sich also zwei ökonomische Krisenfolgen für Frauenfesthalten: Entlassungen und steigende
Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft.
Vor allem in Ländern, in denen die Erwerbstätigkeit von Frauen geringer ist (zum Beispiel in
der Türkei), sucht das Kapital in Krisenzeiten die Hilfe der Frauen. In vielen Ländern gelten
noch bestimmte Einschränkungen für die Lohnarbeit von Frauen. Solche Verbote wurden
und werden aufgehoben, wenn neue billige Arbeitskraft benötigt wird. Ein sehr
anschauliches Beispiel für dieses Phänomen konnten wir in Kolumbien beobachten, als die
Bergarbeiter streikten und es geduldet wurde, dass stattdessen Frauen in den Mienen
arbeiteten. Auch in Kriegs- und Wiederaufbauphasen, zum Beispiel in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, leisten Frauen Schwerstarbeit, weil es ohne sie nicht gehen würde. Die offene
Diskriminierung von Frauen in der Welt der Arbeit ist Teil des patriarchal-kapitalistischen
Systems. Das Miteinbeziehen von Frauen in die gesellschaftliche Produktion steht im
Widerspruch dazu. Aber das ist kein Widerspruch der Frauen, es ist der Widerspruch des
Kapitals!

2. Häusliche Gewalt
Nicht nur auf der Arbeit, sondern auch zu Hause spüren Frauen die drastischen Folgen der
Krise. Natürlich sind auch männliche Arbeiter von der Krise betroffen; Sie verlieren ihre Jobs,
können ihre Schulden nicht zahlen und haben Zukunftsängste. Eine Krise führt auch zu
enormer Wut, die eigentlich gegen diejenigen gerichtet sein sollte, die für diese Misere
verantwortlich sind. Leider richten Männer ihre Aggressivität jedoch auf ihre Familie. Die
finanziellen Schwierigkeiten führen zu häufigerem Streit zu Hause und enden nicht selten
mit häuslicher Gewalt, im schlimmsten Fall mit Femiziden. Und das ist ein Phänomen, das
wir aktuell auch in Deutschland beobachten können. Die Statistiken des BKA zeigen einen
Anstieg der „Partnerschaftsgewalt“ im letzten Jahr. Die Ursachen für diesen Anstieg sind
vielfältig, aber dass die Krise wenigstens einen Einfluss auf diese Zahl hat, liegt nahe. Und
wie bereits im Teil zu den ökonomischen Folgen erläutert, steigt die (finanzielle)
Abhängigkeit der Frauen. „Warum trennst du dich nicht einfach, wenn er dich schlägt?“ So
einfach ist es für viele Frauen leider nicht. Zu der emotionalen Abhängigkeit kommt noch die
finanzielle hinzu. Und gerade in Krisenzeiten haben Frauen weniger Unterstützung;
Freund:innen und Familie sind mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, müssen über die
Runden kommen und die unterfinanzierten Behörden und Frauenhäuser sind komplett
ausgelastet.

3. Ausbeutung im Haus
Eine der entschiedensten Folgen der Krise von Frauen ist die zunehmende Ausbeutung ihrer
Arbeitskraft. Frauen werden nicht nur in den Betrieben, sondern auch im eigenen Haus
ausgebeutet. Zu der erhöhten Belastung auf dem Arbeitsmarkt kommt also noch eine
Verschärfung der Ausbeutungsverhältnisse im Haus hinzu. Die Last, die ohnehin schon auf
den Rücken der Frauen liegt, wird in der Krise noch schwerer. Wenn sie von ihrer schlecht
bezahlten Arbeit nach Hause kommen, müssen sie einkaufen, die Kinder abholen, kochen,
putzen und mehr. Gibt es im Supermarkt nicht alles, was benötigt wird, müssen noch die
anderen abgeklappert werden. Durch die erhöhten Preise müssen sich die Frauen Gedanken
machen, wie sie mit dem Wenigen, was zur Verfügung steht die Familie satt kriegen.
Zuhause angekommen müssen sie sich noch die Sorgen der anderen Familienmitglieder
anhören und ihnen zur Seite stehen. Das alles nach einem stressigen Arbeitstag. Das führt zu
einer riesigen psychischen Belastung für die Frauen. Aber auch die körperliche Belastung
durch die häusliche Ausbeutung wird größer. Frauen müssen immer mehr zusätzliche
Aufgaben übernehmen. Selbst, wenn sie jetzt mehr Zeit auf der Arbeit verbringen, wird das
von ihnen erwartet. Je mehr der Reallohn sinkt, desto größer wird die Verantwortung der
Frauen für die Aufgaben im Haushalt. Das klingt abstrakt, aber lässt sich an Beispielen
erläutern. Je weniger sich die Familien leisten können, desto mehr muss (von den Frauen) zu
Hause gemacht werden. Sie müssen kreativ werden, um die Familie mit wenig satt zu
bekommen. Sie müssen den Kindern beim Lernen helfen, wenn man sich die Nachhilfe nicht
mehr leisten kann. Sie müssen die Klamotten der Kinder flicken, weil für neue kein Geld da
ist.

Die Krise bringt neue Probleme, aber auch neue Möglichkeiten
Die Krise sorgt für eine Zuspitzung der Widersprüche des Kapitals. Frauen sind hin und
hergerissen zwischen den Ketten des Hauses und der Ausbeutung in der Produktion. Das
führt zu einer steigenden Belastung für Frauen, aber dabei muss es nicht bleiben! Die
Widersprüche zeigen, wie instabil der Kapitalismus ist. Genau dort sind die Stellen, wo wir
ihn angreifen können und müssen, um uns von unserer Unterdrückung zu befreien! Gerade
jetzt wird deutlich, dass Frauen eine Stütze für die Familie und die Gesellschaft sind, und
damit sind wir Frauen auf diejenigen, die alles zum Einsturz bringen können. Frauen
werden erkennen, dass wir die Macht haben, das System in eine tödliche Krise zu stürzen.
Die Krise bietet auch die Möglichkeit für ein Aufflammen der Frauensolidarität. Alle Frauen
leiden unter den gleichen Problemen: Armut, Gewalt, Zukunftsängste. Der Kapitalismus will
uns in die privaten Sphären der Familie einsperren, aber die werden wir aufbrechen! Gerade
jetzt müssen wir Frauen uns gegenseitig unterstützen. Die Armut zwingt uns Frauen kreativer,
aktiver zu sein und das Haus öfter zu verlassen. Frauen werden sehen zu was sie in der Lage
sind, was wir erreichen können, und dass es ohne uns einfach nicht geht. Unser
(Geschlechts-)Bewusstsein wird sich stärken. Diese Krise ist eine Chance für uns Frauen ein
Subjekt im Kampf gegen Kapitalismus und Patriarchat zu werden!

Stoppt den Krieg auf Rojava! Verteidigen wir die Frauenrevolution!

Die bereits vor Monaten angekündigte Invasion auf Rojava hat nun tatsächlich begonnen. Nach zahlreichen vereinzelten Angriffen startet damit nun ein Angriff in einem größeren Ausmaß. Der Krieg auf Rojava verschärft sich.

Nachdem seit Februar alle Augen auf den Krieg in der Ukraine gerichtet waren, kündigte Erdogan im April und Mai bereits eine große militärische Offensive an, die starte, sobald alle Truppen einsatzbereit seien. Seitdem kommt es fast täglich zu gezielten Angriffen auf den kurdischen Befreiungskampf und alle Errungenschaften, die in mittlerweile 10 Jahren Revolution erkämpft worden sind.

Im Schatten des Krieges in der Ukraine hat Erdogan es geschafft, weitere Verbündete auf seine Seite zu ziehen: Mit dem NATO-Beitritt von Schweden und Finnland wird die kurdische Befreiungsbewegung in noch mehr Teilen der Welt kriminalisiert und muss mit Repressionen rechnen und noch mehr Staaten stehen auf der Seite des türkischen Faschismus.

Umso wichtiger ist unsere Solidarität in Zeiten des Krieges. Seit Monaten bereitet sich Erdogan auf die anstehende Invasion vor, das lassen wir nicht unbeantwortet.

An vorderster Front kämnpfen die Kämpferinnen der YPJ, der Frauenverteidigungseinheit, gegen den Faschismus und die Angriffe der Türkei und des sogenannten Islamischen Staates.

Lassen wir Solidarität praktisch werden und verteidigen wir die Revolution in Rojava! Kämpfen wir für ein Ende des Krieges und ein Ende des Faschismus, ob in der Türkei oder sonst wo auf der Welt!

Beteiligt euch an den Aktionen in euren Städten!

Dritte Weltfrauenkonferenz – ZORA war mit dabei!

Mit 25 Genoss:innen von ZORA sind wir Anfang September nach Tunesien geflogen, um dort an
der Dritten Weltfrauenkonferenz teilzunehmen. Wir haben sehr viel erlebt, viele Gespräche und
Diskussionen geführt, haben neue Menschen kennengelernt. Es war eine sehr intensive Zeit, die wir
alle sicherlich lange nicht vergessen werden. Doch damit nicht nur wir davon etwas haben,
möchten wir hier Erfahrungen, Erlebtes und Gedanken mit euch teilen.


Vorbereitungen für die Reise
Die Delegationsreise begann natürlich schon vor der Reise selbst – eine gute Vorbereitung gehört
ebenso dazu. In der Zeit vor der Konferenz haben wir einige Sachen geplant, zum Beispiel die
Übersetzung von Materialien, damit wir anderen Frauen ZORA vorstellen können oder wer wann in
Tunesien ankommt. Aber nicht nur das: Inhaltlich wurde diskutiert, vor allem die Delegierte von
ZORA, war viel damit beschäftigt, sich inhaltlich auf die Konferenz vorzubereiten.
Anfang September ging es dann los, wir sind nach Tunesien geflogen. Dort angekommen haben wir
uns erst einmal sehr gefreut, uns alle zu sehen. Viele kannten sich schon, einige kannten sich noch
nicht. Alle waren sehr nervös, weil niemand so richtig wusste, was auf uns zukommt.


Die Konferenz beginnt
Die Konferenztage haben am 3. September mit der Anmeldung begonnen. Wir sind also gemeinsam
zum Konferenzort, einer Schule direkt an einem Kulturzentrum, und haben uns registriert und die
ersten Frauen begrüßt und kennengelernt. Danach hatten wir noch Freizeit, da haben wir die Stadt
etwas erkundet und gemeinsam gegessen.
Am Sonntag, den 4. September, starteten wir mit einer großen und kämpferischen Demonstration
durch Tunis. Wir als ZORA haben es geschafft, einen starken Ausdruck auf der Demo zu
hinterlassen, viele Passant:innen haben sich uns angeschlossen und mit einigen sind wir auch ins
Gespräch gekommen. Im Anschluss an die Demo fand eine große Eröffnungszeremonie statt – alle
kamen zusammen und wir haben ein paar Grußworte gehört, es gab aber auch Musikbeiträge.
Am Tag darauf ging es dann mit der eigentlichen Konferenz los: Den Anfang haben die Workshops
gemacht, die Montag und Dienstag stattgefunden haben. Wir konnten aus über 30 Workshops
auswählen, die jeweils vormittags und nachmittags stattgefunden haben. Auch ZORA hat sich daran
beteiligt. Gemeinsam mit Pride Rebellion, einer LBGTI+ Organisation, haben wir einen Workshop
zu Frauen- und LGBTI+-Befreiung gehalten und wie beide Kämpfe miteinander verbunden sind.
Aber auch die anderen Workshops haben wir besucht: Es gab einen Workshop zu jungen Frauen und
einen über die Anglofon-Krise in Kamerun, in dem die Frauen von der Unterdrückung erzählt haben
und wir über Widerstandskämpfe in Kamerun geredet haben. Es gab Workshops zu
antiimperialistischen Frauenkämpfen auf der ganzen Welt und viele weitere. SKB, der Bund
Sozialistischer Frauen, hat einen Workshop zur Frauenrevolution gehalten, bei dem viele von
unseren Genoss:innen auch teilgenommen haben.
An den zwei darauffolgenden Tagen hat dann die Generalversammlung stattgefunden, bei der die
Delegierten geredet haben und in den Austausch gekommen sind. Aus allen Ländern haben Frauen
gesprochen. Insgesamt waren übrigens über 450 Frauen auf der Konferenz, davon fast 100
Delegierte. Frauen aus über 40 Ländern waren dort.
In den Diskussionen wurden die Situation und die Arbeiten in den jeweiligen Ländern vorgestellt.
So haben zum Beispiel Frauen aus Afghanistan über die Regierung der Taliban gesprochen, Frauen
aus Polen über die Abtreibungssituation und Frauen aus Palästina über die Besatzung und
Unterdrückung durch den israelischen Staat.
Am Freitag gab es dann noch Berichte über die Workshops. Dort haben alle Leiterinnen der
Workshops vorgestellt, was dort besprochen oder diskutiert wurde, zu welchem Ergebnis sie
gekommen sind und was die daraus für die restliche Konferenz mitgenommen haben.
An jedem Abend gab es Kulturabende mit Musik, Tänzen und einigen kurzen Theaterstücken, die
aufgeführt wurden. Jeden Abend war ein anderer Kontinent dran.
Die Konferenz hat am Freitag, dem letzten Tag, mit einem musikalischen Programm und
gemeinsamen Parolen und Abschlussworten geendet.


Die Rolle der Delegierten
Die Delegierten der Weltfrauenkonferenz hatten die Aufgabe, die Frauenbewegung in den
jeweiligen Ländern zu vertreten und diese in die Weltfrauenkonferenz zu tragen. Deutschlandweit
wurde sich abgesprochen und gemeinsam vorbereitet. Es fanden vor und auch auf der Konferenz
Diskussionen statt zu gemeinsamen Schritten für die internationale Frauenbewegung, aber auch ein
Austausch der Erfahrungen. Dieser Austausch an sich war für die Delegierten von uns sehr
bewegend, weil viele Frauen von sehr einschneidenden Erlebnissen berichtet haben.
Aber auch inhaltlich wurde auf der Konferenz diskutiert: So ging es beispielsweise um die Frage,
ob ein Frauenstreik, der international organisiert wird, der richtige Weg ist für die weltweite
Frauenbewegung.


Was genau haben die anderen auf der Konferenz gemacht?

Wie gesagt, ZORA Deutschland hat eine Delegierte gestellt für diese Konferenz. Doch das heißt
nicht, dass die anderen nichts gemacht haben: Zwei von ZORA waren außerdem Delegierte für die
Schweiz und Frankreich. Die anderen haben Aufgaben wie die Vorbereitung und Planung der
Generalversammlung übernommen, viele von uns haben übersetzt. Wir haben das Medienteam der
Konferenz unterstützt und hatten von ZORA auch ein eigenes Medienteam, um die Delegationsreise
auf Social Media begleiten zu können. In diesem Team haben wir auch Interviews geführt mit ganz
vielen Frauen, die in der nächsten Zeit ebenfalls veröffentlicht werden.
Wir hatten einen Stand, der von uns betreut wurde und durch den wir mit anderen Frauen ins
Gespräch gekommen sind.


Politische Realität in Tunesien
Die Orte der Weltfrauenkonferenz werden immer bewusst ausgewählt, damit die Konferenzen zum
Beispiel nicht immer im gleichen Land ausgetragen werden und möglichst auch nicht in
imperialistischen Zentren stattfinden. Die Anreise für Frauen aus zum Beispiel afrikanischen oder
asiatischen Ländern ist ohnehin schon schwer genug, das soll aufgebrochen werden.
Zugegebenermaßen haben wir uns vor der Reise nicht sehr viel über Tunesien als Land oder Tunis
als Stadt informiert. Klar, uns war bewusst, dass es kein sehr reiches Land ist, aber die Realität dort
zu sehen, ist ein anderes Gefühl.
Die Schere zwischen Arm und Reich, der Klassenwiderspruch ist dort sehr deutlich zu sehen: Auf
der einen Seite Menschen, die Plastikflaschen sammeln und diese verkaufen, um Essen kaufen zu
können und auf der anderen Seite die riesigen Paläste der Regierung.
Auch die Präsenz des Militärs auf der Straße hat uns im ersten Moment irritiert. Die willkürliche
Polizeigewalt, die es dort Tag für Tag gibt, wurde auch auf der Konferenz zum Thema gemacht.
Ein weiterer Punkt ist das Thema Flucht: Tunesien ist eines der Länder, aus dem jedes Jahr
unzählige Menschen über das Mittelmeer nach Europa wollen, sei es aus Tunesien selbst oder aus
anderen Ländern der Region. Die traurige Realität ist aber auch, dass Europa diese Menschen nicht
aufnehmen will, die grausamen Bilder der sogenannten Push-Backs kennen wir sicherlich alle.
Berichte von Menschen zu hören, die jeden Tag sehen, wie Leichen an Land gespült werden, hat
uns sehr berührt. Nicht nur der Klassenwiderspruch wird in Tunesien deutlich, sondern auch das
Resultat der Abschottungspolitik Europas.


Wie geht es weiter?
Die Zeit in Tunesien war für uns alle sehr intensiv, wir haben viel gelernt und und haben uns
weiterentwickelt. Auch wenn wir über die Auswertung schon gesprochen haben, wird es einige Zeit
dauern, bis wir die Zeit richtig verarbeitet haben.
Was wichtig ist, ist die Perspektiven aus der Konferenz in die Städte zu tragen: Welche Rolle nimmt
ZORA in der Frauenbewegung ein? Wie halten wir den Kontakt zu den Frauen, die wir
kennengelernt haben?
2025 findet ein theoretisches Seminar statt, bei dem theoretisch diskutiert und gearbeitet wird. Auch
da ist die Frage: Nehmen wir als ZORA daran teil, wenn ja, in welcher Form? Was machen wir mit
den Erfahrungen, wie bringen wir die in die politische Arbeit ein?
In allen Städten von ZORA gibt es in der nächsten Zeit Vorträge und Berichte, wo es nochmal die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen und zu diskutieren. Dazu seid ihr herzlich eingeladen!

Safe Abortion Day 2022 – Kein Krieg auf unseren Körpern!

Das Thema Abtreibungen ist in Deutschland in den letzten Jahren in den Vordergrund gerückt, doch besonders dieses Jahr drängte sich das Thema an jede Spitze der Gesellschaft. Denn in den USA wurde das grundlegende Recht auf Abtreibungen gekippt und seit einigen Monaten wird das Recht auf sichere und legale Abtreibungen in vielen konservativen Staaten aufgehoben und kriminalisiert. Doch auch in Deutschland hat die Ampel-Regierung beschlossen, das „Werbeverbot“ von Abtreibungen aufzuheben – namentlich §218 StGB, – der es Ärtzt:innen verbot, über Abtreibungen aufzuklären, da dies unter das „Bewerben“ fiel. Es ist also ein Schritt in die richtige Richtung! Doch auch hier gilt immer noch §218 StGB, welcher zwar so gut wie entkräftet ist, auf Papier jedoch noch gültig ist. Also kann man auch hier zu Lande nicht davon sprechen, dass Abtreibungen legal und sicher angeboten werden. Und auch in Polen geht der Kampf um sichere und legale Abtreibungen weiter. Solange unsere Schwestern dabei sterben, ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmung mit allen Mitteln durchzusetzen, so ist es auch unsere Aufgabe, für sichere und legale Abtreibungen auf der gesamten Welt zu kämpfen. Lasst uns deshalb am 28.9.2022 die Straßen ergreifen und gemeinsam für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung kämpfen! Denn Frauen, die kämpfen, sind Frauen, die leben!