Antifaschismus stärken, jetzt!

In unserer aktuellen Gesellschaft jagt eine Krise die nächste. Das hat der Kapitalismus so an sich,
die Krisen. Gerade im letzten Jahrzehnt scheint die Situation immer auswegloser zu werden, denn die Krisen bedingen einander und gehen ineinander uber. So haben wir uns in den letzten fast 3 Jahren noch immer nicht von der anhaltenden Corona-Pandemie erholt und den schrecklichen Überflutungen im Arthal, verstärkt durch die Klimakrise. Und schon steht die nächste Wirtschaftskrise bevor, befeuert durch den imperialistischen Krieg zwischen NATO und Russland um die Ukraine. Der gegenwärtige Zustand unserer Gesellschaft birgt große Chancen aber auch große Gefahren, vor Allem von Rechts und in erster Linie für Frauen. Oder um es mit den Worten von Rosa Luxemburg zu sagen: „Sozialismus oder Barbarei“.


Wir können zur Zeit etwas beobachten, wogegen linke, revolutionäre Organisationen seit Jahrzehnten kämpfen: Ein Erstarken des Faschismus. Ob nun die neugewählte italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ihre faschistischen Partei „Fratelli d‘Italia“, eine Mussolini-Nachfolgepartei, oder in Israel, wo extreme Rechte wie Itamar Ben-Gvir von der
rechtsextremen Jüdischen Stärke an Macht gewinnen. Auch das Vorgehen des Erdogan-Fachismus gegen die kurdische Bevölkerung wird immer aggressiver. So werden die Giftgasangriffe mit illegalen Waffen auf Kurdistan von Staaten wie Deutschland geduldet. Russland nutzt als Vorwand seines Angriffskrieges zur Erlangung neuer Einflussbereiche die angebliche „Entnazifizierung“ der Ukraine. Währenddessen unterstützt Deutschland die Ukraine und ihre faschistischen Kräfte wie das Asow-Regiment mit Waffen und stellt sich mit der NATO gegen Russland. Inmitten dessen wird der Antifaschismus immer weiter kriminalisiert, z.B. durch das Verbot kommunistischer Symbole -in der Ukraine aber auch in Deutschland.


Diese Entwicklungen stellen eine direkte Bedrohung für uns Antifaschist:innen dar, denn einem Staat wie Deutschland spielt der Faschismus in die Tasche: dadurch, dass er die Arbeiter:innen spaltet und das kapitalistische System schützt. Der Faschismus der Neuen Rechten führt zu einer Spaltung der Arbeiter:innenklasse. So wird beispielsweise die Migration als Problem des Arbeitsplätzemangels umgedeutet. Diese falsche Schlussfolgerung ist dem kapitalistischen Staat ganz recht, denn solange die Arbeiter:innen sich gegenseitig bekämpfen, schließen sie sich nicht zusammen um die Ursache des ganzen zu bekämpfen: den Kapitalismus. Welche Folgen hat aber ein faschistisches Erstarken für Frauen? Wenn Giorgia Meloni davon spricht, die Geburtenrate in Italien erhöhen zu wollen, betrifft das in erster Linie Frauen und gebärfähige Menschen und setzt voraus, dass patriarchale Strukturen und Geschlechterrollen gestärkt werden. Diese Vorgehensweise hat folgende Vorteile für einen kapitalistischen, im übrigen immens verschuldeten, Staat wie Italien: Die Frau wird wieder weiter ins häusliche gedrängt, schafft Profite für Unternehmen durch ihre Lohnarbeitskraft, die sie in aktuellen Krisenzeiten mehr denn je verrichten muss um ihre Familie mitzuernähren. Währenddessen zieht sie eine neue Generation Arbeiter:innen auf, die dem Staat in Zukunft wiederum ihre Arbeit verkaufen werden.
Die Erhöhung der Geburtenrate kann aber auch bedeuten, dass das Abtreibungsrecht weiter
eingeschränkt und die Durchführung kriminalisiert wird, für die Frau so wie für Ärzt:innen.


Ein Erstarken faschistischer Strukturen und Gedanken gilt es also für uns Frauen und
Antifaschist:innen konsequent zurückzuschlagen, mit allen Mitteln die uns dafür recht und die nötig sind. Dabei sind Selbstverteidigung und die Verteidigung unserer Rechte legitim und notwendig. Da uns in diesem System Rechte aber immer wieder genommen werden können, müssen wir langfristig denken und einen antifaschistischen Kampf führen und eine Gesellschaft formen und erkämpfen, jenseits von Kapitalismus und Patriarchat. Jenseits von Lohnarbeit, Geschlechterrollen, Armut, Krieg, Krise und Gewalt. Wir müssen Antworten auf die Fragen unserer Zeit entwickeln und diskutieren! Die Frauen in Rojhilat, Rojava und Afghanistan, Antifaschist:innen auf der ganzen Welt machen es vor, machen wir es ihnen nach! Gemeinsam können wir uns von unseren Fesseln befreien.

Wir haben die Macht das System zu Fall zu bringen! Frauen und die Krise

Es geht an niemandem vorbei: Inflation, Teuerungen, Versorgungsprobleme, Krieg, Krise.
Kommt nach 2008 jetzt die nächste Wirtschaftskrise oder wird es noch viel schlimmer?
Tatsache ist: Der Kapitalismus weltweit hat sich von 2008 nie erholen können. Was wir
gerade tagtäglich erleben, ist nicht bloß eine Wirtschaftskrise. Die Wirtschaft wird sich nicht
einfach „erholen“. Was wir gerade erleben, ist das Versagen eines Systems, welches
versucht wird am Leben zu erhalten, das Versagen des Kapitalismus in der existenziellen
Krise. Uns wird verkauft, dass wir gerade in einer Wirtschaftskrise stecken, die durch die
Corona-Pandemie angefangen hat und sich durch den Krieg in der Ukraine zugespitzt hat. Es
sollen alles äußere Faktoren sein, die für die aktuellen Preissteigerungen und
Versorgungsprobleme verantwortlich sind. Dabei zeigen ökonomische Analysen, dass all das
schon lange vor Corona begonnen hat. Es wird verschleiert, dass das Problem nicht von
außen kommt, sondern tief verankert in unserer Produktionswiese ist, tief verankert im
Kapitalismus. Die Preise steigen nicht wegen des Kriegs. Krieg ist nicht die Ursache, sondern
der Versuch der Herrschenden, nicht an der existenziellen Krise zu zerbrechen.

Der Kapitalismus steckt in einer existenziellen Krise fest. Es geht also nicht nur um eine
Wirtschafts- oder Finanzkrise, nein, es geht um eine allumfassende Krise. Sie umfasst
Wirtschaft, Politik und Ideologie; Sie umfasst die gesamte Gesellschaft. Und die Folgen
davon werden für uns immer spürbarer. Durch die Krisentendenzen im wirtschaftlichen
Bereich haben wir gerade mit sinkenden Löhnen, steigenden Preisen und immer knapper
werdenden Waren zu kämpfen. Aber all das nicht noch lange nicht der Höhepunkt. Die
Wirtschaftskrise bahnt sich an, aber ist noch nicht erreicht. Die Wirtschaft ist im Abschwung
und all die genannten Probleme werden sich in den nächsten Jahren verschärfen. Schon jetzt
liegt die Inflation in Deutschland bei 10%, in Argentinien bei 78% und in der Türkei bei über
80%. Trotz Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland auf 12 Euro sinken die Reallöhne.
Neue Studien warnen: Armutsgrenze in Deutschland liegt bei 3.600 netto im Monat. 60% der
deutschen Haushalte müssen ihre gesamten Einkünfte ausgeben, um die monatlichen
Ausgaben zu decken. Wenn das erst der Anfang ist, dann sieht die Zukunft dunkel für uns
alle aus. Und wie so oft im männerdominierten Kapitalismus, sieht es für die Frauen noch
dunkler aus.

Situation der Frauen im Kapitalismus
Auch ohne Krise haben Frauen im Kapitalismus nichts zu lachen. Um zu verstehen, welche
Auswirkungen kapitalistische Krise auf das Leben von Frauen hat, müssen wir erst einmal die
allgemeine Stellung der Frau im Kapitalismus analysieren.
Frauen werden in diesem System doppelt ausgebeutet: Sowohl als Arbeiterin in den
Betrieben als auch als Frau im eigenen Haus. Was bedeutet das? Zum Einen müssen Frauen
in der Regel, sowie männliche Arbeiter, ihre Arbeitskraft verkaufen, um zu überleben. Sie
gehen einer Lohnarbeit nach und werden dabei durch die Chefs ausgebeutet, die sich den
produzierten Mehrwert in die eigene Tasche stecken. Eine Arbeiterin bekommt einen
bestimmten Stundenlohn, aber das stimmt nicht mit dem Wert überein, den sie auf der
Arbeit produziert, beziehungsweise an Wert schafft. Der Kapitalist zahlt nur einen kleinen Teil davon als Lohn an seiner Angestellten, der große Rest geht an ihn. Der Lohn stellt nur
sicher, dass die Arbeiterin genug zum Überleben hat und am nächsten Tag wieder zur Arbeit
erscheinen kann. Die Arbeitskraft der vielen wird für den Profit der wenigen ausgebeutet.
Zum Anderen leisten Frauen zu Hause noch mehr Arbeit, zum Beispiel in dem sie den
Haushalt schmeißen, sich um die Kinder kümmern, für die Familie kochen oder sich um
kranke Verwandte kümmern. Diese unbezahlte Reproduktionsarbeit wird nicht entlohnt,
Frauen machen das alles völlig unbezahlt, und das obwohl die Verrichtung dieser Arbeit
essenziell für den Erhalt des kapitalistischen Systems ist. Also während die Männer nach
ihrem Feierabend die Füße hochlegen können, geht es für Frauen weiter mit der Arbeit.

Warum ist diese unbezahlte Arbeit so wichtig für die Produktion im Kapitalismus?
Wie bereits oben erläutert, zahlt der Kapitalist einen Lohn aus, der niedrig genug ist,
um seinen Profit zu maximieren, aber eben auch hoch genug, damit die Arbeiterin am
nächstTag wieder mit voller Arbeitskraft im Betrieb erscheinen kann. Mit anderen
Worten: damit die Reproduktion der Arbeitskraft gewährleistet ist. Aber der Lohn ist
nicht das einzige notwendige Mittel, um die Reproduktion zu sichern. Arbeiter:innen
brauchen nicht nur genügend Geld, um sich Lebensmittel leisten zu können. Es muss
auch noch Zeit investiert werden, um das Essen zu kochen, danach sauber zu machen
und sich um andere Sachen im Haushalt zu kümmern. Und außerdem müssen noch
die Kinder versorgt werden; es geht nämlich nicht nur um die Reproduktion der
Arbeitskraft für den nächsten Tag, sondern auch um die der nächsten Generation.
Also haben wir nun einen ungefähren Überblick darüber, was alles unter den Begriff
der Reproduktionsarbeit fällt. Gemeinsam haben all diese Aufgaben, dass sie in der
Regel von Frauen verrichtet werde, ohne jemals auch nur einen Cent dafür zu sehen.

Um zu verstehen, warum der Kapitalist von der unbezahlten Arbeit im Haus profitiert,
müssen wir die Arbeitskraft als eine Ware verstehen. Genau wie wir im Supermarkt
eine Packung Milch kaufen, kauft der Kapitalist die Arbeitskraft. Wie viel wir für
Waren im Supermarkt bezahlen, hängt von der gesellschaftlich notwendigen
Arbeitskraft, die für die Produktion dieser Ware gebraucht wird, ab. So bildet sich der
Preis. Und für die Ware Arbeitskraft gilt das genauso. Die gesellschaftlich notwendige
Arbeit, die für die Herstellung oder besser gesagt für den Erhalt der Arbeitskraft
benötigt wird, ist die Reproduktionsarbeit. Ein Teil der Reproduktionskosten wird
durch den ausgezahlten Lohn gedeckt. Der andere Teil durch die private Arbeit
zuhause. Je mehr von dieser privaten Arbeit unbezahlt verrichtet wird, desto geringer
sind die Kosten für den Kapitalisten. Sie stecken sich also nicht nur den Mehrwert der
Produktion ein, sondern profitieren auch noch von der unbezahlten Hausarbeit, die
gemacht wird. Heute ist es normal, dass beide Elternteile arbeiten gehen müssen, um
die Familie zu ernähren; Die gesellschaftliche Produktionsarbeit wurde zwischen den
Geschlechtern aufgeteilt und es wird doppelter Mehrwert geschaffen. Die
Reproduktionsarbeit wurde allerdings nicht aufgeteilt. Es sind immer noch Frauen,
die dafür verantwortlich sind.

Halten wir fest: Frauen werden im Kapitalismus doppelt ausgebeutet. Aber bei dieser
einfachen Formel bleibt es nicht, die Gegebenheiten in unserem männerdominierten System
sind deutlich komplizierter.

In Deutschland machen Frauen fast die Hälfte der
Arbeitnehmer:innen in Deutschland aus. Trotzdem gibt es noch einen gewaltigen
Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern. Selbst bei gleicher Ausbildung und gleicher
Beschäftigung verdienen Männer immer noch mehr. Außerdem verdienen Frauen im
gesellschaftlichen Durchschnitt weniger, da sie häufiger in Teilzeit- oder Minijobs arbeiten.
Oft arbeiten Frauen auch schwarz, zum Beispiel als Haushaltshilfe ohne offizielle Anmeldung.
Zu diesen allgemein häufig unsicheren Beschäftigungsverhältnissen kommt, dass Frauen,
wenn sie Mutter werden, für eine gewisse Zeit aufhören zu arbeiten. All diese Faktoren
führen zu einer finanziellen Abhängigkeit von Männern. Nehmen wir an, eine Frau hat zwei
Kinder. Sie hat vor der ersten Schwangerschaft aufgehört zu arbeiten, um die Kinder zu
versorgen. Ihr Ehemann geht weiter arbeiten und das Geld reicht für die gesamte Familie.
Will sie sich nun aber trennen, wird ihr dieser Schritt durch die finanzielle Abhängigkeit vom
Mann erschwert. Gerade hat sie kein eigenes Einkommen und sie weiß, durch die lange
Pause von der Arbeit und dann noch als alleinerziehende Mutter, wird sie es schwer haben
eine gutbezahlte Arbeit zu finden. Außerdem haben es Frauen im Alter oft schwerer, da sie
durch illegale, unterbrochene oder Teilzeitarbeit sehr weniger Rentenanspruch haben, oder
sie erhalten gar keine Rente. Eine Studie von 2018 zeigte, dass 16,4% der Frauen über 65 in
Deutschland von Altersarmut betroffen sind (weniger als 900 Euro stehen monatlich zur
Verfügung), und die Berechnungen zeigen, dass die Quote in den nächsten Jahren steigen
wird. Im Vergleich: 12% der Männer über 65 müssen mit einem so geringen Einkommen
klarkommen.

Das ist also die allgemeine ökonomische Situation der Frauen im Kapitalismus. Die
Ungleichheit der Geschlechter führt dazu, dass Frauen ohnehin schon in einer wirtschaftlich
schlechteren Lage als Männer sind. Dass sie durch Krisen also härter getroffen werden,
überrascht nicht. Aber was sind nun die genauen Auswirkungen der Krise auf Frauen?

1. Frauen zwischen Arbeitslosigkeit und billiger Arbeitskraft
In Krisenzeiten steigt die Arbeitslosigkeit – das ist Gesetz des Kapitalismus. Massen von
Arbeiter:innen werden entlassen, und Frauen sind die ersten. Aber gleichzeitig nimmt die
Beschäftigungsrate von Frauen in Krisenzeiten zu. Wie kommt dieser Widerspruch zustande?
Die Beschäftigung von Frauen in Krisenzeiten nimmt nicht allgemein zu, sondern das gilt nur
für Frauen mit „niedrigen Bildungsniveau“. Mit anderen Worten gilt es für Frauen, die die
Drecksarbeit machen, die aber auch während der Krise gemacht werden muss. In Berufen
mit „höherem Bildungsniveau“ werden Frauen in Krisenzeiten entlassen. Und die nun
arbeitslosen Frauen sind trotzdem gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um zu
überleben. Sie müssen schlechter bezahlte Jobs mit schlechteren Bedingungen annehmen.
Jobs, die im Allgemeinen mehrheitlich von Frauen gemacht werden, da sie den Kapitalisten
als billigere Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Für die Kapitalisten ist es eine gute
Rechnung Frauen einzustellen, da sie ihnen für die gleiche Arbeit weniger als Männern
zahlen können. Zusammenfassend heißt das: Bei besser bezahlten Jobs sind Frauen die
ersten, die entlassen werden. Trotzdem steigt allgemein die Beschäftigungsrate von Frauen,
da in Krisenzeiten billige Arbeitskräfte gefragt sind. Frauen, die ihre Arbeit verlieren sind
gezwungen ihre Arbeit billiger und unter schlechteren Bedingungen zu verkaufen. Es lassen
sich also zwei ökonomische Krisenfolgen für Frauenfesthalten: Entlassungen und steigende
Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft.
Vor allem in Ländern, in denen die Erwerbstätigkeit von Frauen geringer ist (zum Beispiel in
der Türkei), sucht das Kapital in Krisenzeiten die Hilfe der Frauen. In vielen Ländern gelten
noch bestimmte Einschränkungen für die Lohnarbeit von Frauen. Solche Verbote wurden
und werden aufgehoben, wenn neue billige Arbeitskraft benötigt wird. Ein sehr
anschauliches Beispiel für dieses Phänomen konnten wir in Kolumbien beobachten, als die
Bergarbeiter streikten und es geduldet wurde, dass stattdessen Frauen in den Mienen
arbeiteten. Auch in Kriegs- und Wiederaufbauphasen, zum Beispiel in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, leisten Frauen Schwerstarbeit, weil es ohne sie nicht gehen würde. Die offene
Diskriminierung von Frauen in der Welt der Arbeit ist Teil des patriarchal-kapitalistischen
Systems. Das Miteinbeziehen von Frauen in die gesellschaftliche Produktion steht im
Widerspruch dazu. Aber das ist kein Widerspruch der Frauen, es ist der Widerspruch des
Kapitals!

2. Häusliche Gewalt
Nicht nur auf der Arbeit, sondern auch zu Hause spüren Frauen die drastischen Folgen der
Krise. Natürlich sind auch männliche Arbeiter von der Krise betroffen; Sie verlieren ihre Jobs,
können ihre Schulden nicht zahlen und haben Zukunftsängste. Eine Krise führt auch zu
enormer Wut, die eigentlich gegen diejenigen gerichtet sein sollte, die für diese Misere
verantwortlich sind. Leider richten Männer ihre Aggressivität jedoch auf ihre Familie. Die
finanziellen Schwierigkeiten führen zu häufigerem Streit zu Hause und enden nicht selten
mit häuslicher Gewalt, im schlimmsten Fall mit Femiziden. Und das ist ein Phänomen, das
wir aktuell auch in Deutschland beobachten können. Die Statistiken des BKA zeigen einen
Anstieg der „Partnerschaftsgewalt“ im letzten Jahr. Die Ursachen für diesen Anstieg sind
vielfältig, aber dass die Krise wenigstens einen Einfluss auf diese Zahl hat, liegt nahe. Und
wie bereits im Teil zu den ökonomischen Folgen erläutert, steigt die (finanzielle)
Abhängigkeit der Frauen. „Warum trennst du dich nicht einfach, wenn er dich schlägt?“ So
einfach ist es für viele Frauen leider nicht. Zu der emotionalen Abhängigkeit kommt noch die
finanzielle hinzu. Und gerade in Krisenzeiten haben Frauen weniger Unterstützung;
Freund:innen und Familie sind mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, müssen über die
Runden kommen und die unterfinanzierten Behörden und Frauenhäuser sind komplett
ausgelastet.

3. Ausbeutung im Haus
Eine der entschiedensten Folgen der Krise von Frauen ist die zunehmende Ausbeutung ihrer
Arbeitskraft. Frauen werden nicht nur in den Betrieben, sondern auch im eigenen Haus
ausgebeutet. Zu der erhöhten Belastung auf dem Arbeitsmarkt kommt also noch eine
Verschärfung der Ausbeutungsverhältnisse im Haus hinzu. Die Last, die ohnehin schon auf
den Rücken der Frauen liegt, wird in der Krise noch schwerer. Wenn sie von ihrer schlecht
bezahlten Arbeit nach Hause kommen, müssen sie einkaufen, die Kinder abholen, kochen,
putzen und mehr. Gibt es im Supermarkt nicht alles, was benötigt wird, müssen noch die
anderen abgeklappert werden. Durch die erhöhten Preise müssen sich die Frauen Gedanken
machen, wie sie mit dem Wenigen, was zur Verfügung steht die Familie satt kriegen.
Zuhause angekommen müssen sie sich noch die Sorgen der anderen Familienmitglieder
anhören und ihnen zur Seite stehen. Das alles nach einem stressigen Arbeitstag. Das führt zu
einer riesigen psychischen Belastung für die Frauen. Aber auch die körperliche Belastung
durch die häusliche Ausbeutung wird größer. Frauen müssen immer mehr zusätzliche
Aufgaben übernehmen. Selbst, wenn sie jetzt mehr Zeit auf der Arbeit verbringen, wird das
von ihnen erwartet. Je mehr der Reallohn sinkt, desto größer wird die Verantwortung der
Frauen für die Aufgaben im Haushalt. Das klingt abstrakt, aber lässt sich an Beispielen
erläutern. Je weniger sich die Familien leisten können, desto mehr muss (von den Frauen) zu
Hause gemacht werden. Sie müssen kreativ werden, um die Familie mit wenig satt zu
bekommen. Sie müssen den Kindern beim Lernen helfen, wenn man sich die Nachhilfe nicht
mehr leisten kann. Sie müssen die Klamotten der Kinder flicken, weil für neue kein Geld da
ist.

Die Krise bringt neue Probleme, aber auch neue Möglichkeiten
Die Krise sorgt für eine Zuspitzung der Widersprüche des Kapitals. Frauen sind hin und
hergerissen zwischen den Ketten des Hauses und der Ausbeutung in der Produktion. Das
führt zu einer steigenden Belastung für Frauen, aber dabei muss es nicht bleiben! Die
Widersprüche zeigen, wie instabil der Kapitalismus ist. Genau dort sind die Stellen, wo wir
ihn angreifen können und müssen, um uns von unserer Unterdrückung zu befreien! Gerade
jetzt wird deutlich, dass Frauen eine Stütze für die Familie und die Gesellschaft sind, und
damit sind wir Frauen auf diejenigen, die alles zum Einsturz bringen können. Frauen
werden erkennen, dass wir die Macht haben, das System in eine tödliche Krise zu stürzen.
Die Krise bietet auch die Möglichkeit für ein Aufflammen der Frauensolidarität. Alle Frauen
leiden unter den gleichen Problemen: Armut, Gewalt, Zukunftsängste. Der Kapitalismus will
uns in die privaten Sphären der Familie einsperren, aber die werden wir aufbrechen! Gerade
jetzt müssen wir Frauen uns gegenseitig unterstützen. Die Armut zwingt uns Frauen kreativer,
aktiver zu sein und das Haus öfter zu verlassen. Frauen werden sehen zu was sie in der Lage
sind, was wir erreichen können, und dass es ohne uns einfach nicht geht. Unser
(Geschlechts-)Bewusstsein wird sich stärken. Diese Krise ist eine Chance für uns Frauen ein
Subjekt im Kampf gegen Kapitalismus und Patriarchat zu werden!

Der Krise den Kampf ansagen!

Dieser Artikel wurde geschrieben, als die Gasumlage noch in Planung war, nun ist sie das nicht mehr. Das soll aber nicht heißen, dass jetzt alles in Ordnung ist und wir uns keine Sorgen mehr machen müssen – im Gegenteil. Diesen Herbst und Winter wird deutlich werden, wer am meisten unter dieser Krise leidet.

Kennst du das Gefühl, wenn dir beim Blick auf den Kontostand dein Herz fast in die Hose rutscht? In den letzten Monaten wurde es von Monat zu Monat schlimmer und du fragst dich, wofür das ganze Geld denn dieses Mal weggegangen ist? – Du achtest doch darauf, nur noch
das nötigste zu kaufen und verzichtest auf teure Freizeitaktivitäten. Du sparst also, wo du nur kannst.
Vor einiger Zeit kamst du mit deinem Bafög oder Lohn noch ganz gut über die Runden, aber jetzt sieht die letzte Woche des Monats ziemlich mau aus. Dazu kommt, dass deine Miete und deine Nebenkosten geradezu explodieren. Der Herbst und Winter rücken näher und die Preisentwicklung bezüglich Gas und Strom spitzen sich zu.

Und dann hören wir es doch überall: Inflation, Teuerungen, Krieg und Krise. Der Krieg in der Ukraine und die Bilder, die uns aus den Kriegsgebieten erreichen treffen uns alle.
Das Krieg herrscht darf doch aber keine Erklärung dafür sein, dass unsere Löhne nicht an die Preisentwicklungen angepasst werden! Warum hat die Bundesregierung plötzlich 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr, aber nicht für uns? Wie kann es sein, dass das Pflegepersonal, dass uns durch die Corona-Pandemie bringt, keinen gerechten Pflegebonus erhält, aber für Krieg scheint kein Preis zu hoch?
Wieso fährt mein Chef die dicksten Autos, aber kann mein Lohn nicht an meine Lebensrealität anpassen? Fragen über Fragen-Fakt ist: es
geht ihnen nicht um uns. Es geht ihnen vielmehr um Macht und Profitmaximierung, aber mit Sicherheit nicht um uns!

Ab dem 1. Oktober gilt die von der Bundesregierung ausgearbeitete Gasumlage. Die deutsche Regierung betont, sie lasse niemanden in der Krise allein. Das ist purer Hohn. Was auf uns zukommt ist ein kalter Winter mit Preisexplosionen. Für viele wird es heißen zu frieren.

Uns treffen die Teuerungen und die Inflation besonders. Frauen und LGBTI+ Personen arbeiten oftmals in schlecht bezahlten, aber systemrelevanten Berufen wie die Erziehung und die Pflege. Dadurch das die Löhne nicht angepasst werden, müssen wir in unseren eh schon schlecht bezahlten Berufen mehr arbeiten und sind trotzdem noch für die meisten Aufgaben im Haushalt zuständig. Wir werden doppelt belastet und dafür noch systematisch unterbezahlt.

Das System hinter der Krise heißt Kapitalismus. Wir erkennen das Problem und gehen organisiert dagegen vor. Wir erkennen, dass uns dieses System nur alleine lassen kann und uns nicht schützen wird. Weder vor patriarchaler Gewalt noch vor finanzieller Not. Solange Profit uns gegenüber Vorrang hat, werden wir nicht frei sein. Solange wir systematisch ausgebeutet werden und sich unsere finanzielle Situation verschlechtert, dürfen wir nicht stillsitzen. Um die Krisen endgültig hinter uns zu lassen, müssen wir revolutionär und antikapitalistisch kämpfen.

In Krisenzeiten sind es vor allem Frauen, die sich diesen Entwicklungen entgegenstellen. Es sind die Frauen, die in gesellschaftsrelevanten Berufen streiken, um Ihre Situation zu verbessern. Es sind Frauen, die sagen, dass diese Krisen nicht länger auf unseren Rücken ausgetragen werden können.

Im Bündnis mit dem Titel „Nicht auf unserem Rücken“ gehen wir praktisch gegen die Teuerungen vor. Besonders diesen Herbst sind wir in verschiedenen Städten dazu aktiv um uns den Preisentwicklungen entgegenzustellen und eine Antwort von links gegen die Teuerungen auf die Straße zu tragen. Werdet mit uns aktiv, erscheint zu den Aktionen und
sprecht uns an!

Infos dazu findet ihr unter https://nichtaufunseremruecken.noblogs.org und
https://www.instagram.com/nichtaufunseremruecken/?hl=de.